Hi, wir sind Mareike und Franz. Im Sommer 2022 haben wir uns mit unserer Segelyacht Holly Golightly auf Tour begeben und halten hier all die großen und kleinen Abenteuer fest, die wir so erleben.

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49°38.744'N - 1°37.235'W
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Eintrag Nr. 31
Cascais - Madeira
  • Reisegeschichten
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Cascais - Madeira • 100% Blauwassersegeln

ein Bild von Holly Golightly

Während wir in Cascais bei Lissabon im noblen Jachthafen zwischen Superjachten und Anglerbooten lagen und die sonnigen Tage mit unserer Freundin Imke genossen, war eigentlich klar, dass wir unsere Reise entlang der schönen portugiesischen Küste fortsetzen würden. Die Algarve mit ihren beeindruckenden Lagunen und tollen Ankerplätzen lockte uns sehr. Leider gab es da aber immer noch diese bereits öfter erwähnten schwarz-weißen Meeresbewohner mit O, die den Segelbooten aktuell auch im Süden von Cascais auf die Pelle rückten.

Warum betreiben die Orcas diesen destruktiven Ansatz wohl so konsequent? Wir denken, das ist nicht weiter verwunderlich – schließlich haben wir Menschen auch vor langer Zeit damit angefangen ganze Walpopulationen auszurotten oder Nashörnern ihr Horn abzusägen oder Haien bei lebendigem Leib, die Flossen abzuschneiden (Aktuell wurden gerade fast alle Haiarten unter Schutz gestellt). Warum soll also der Orca nicht auch mal eine etwas ausgefallene Idee in die Tat umsetzten? Trotz unseres Verständnisses für die Belange des Meeressäuger waren wir uns nicht sicher, ob diese verstehen würden, dass wir auf ihrer Seite stehen. Auch die Tatsache, dass unser Ruderblatt nicht aus Plaste und Elaste, sondern etwas oldstyle aus Edelstahl gefertigt ist, beruhigt uns nur bedingt. Zwar würde ein dicker Walfisch sich evtl. daran die spitzen Zähne ausbeißen, aber was, wenn er es dabei nachhaltig "verblöttscht", wie der Kölner sagen würde? Wie auch immer, die Situation war angespannt – ereigneten sich doch an der Küste zwischen Lissabon und dem Süden Portugals aktuell die meisten Knabberattacken der Orcas (bis zu fünf am Tag!).

Solchermaßen verunsichert nutzten wir dann eine sich plötzlich bietende Gelegenheit. Wir verbündeten uns mit Conrad, Sarah und Santiago (8 Jahre) von der „Vega“, die nachmittags an unserem Steg angelegt hatten und ebenso ratlos in Sachen Orcas waren wie wir. Spontan beschlossen wir am kommenden Morgen zusammen in Richtung Madeira aufzubrechen – also weg von der kritischen Küste raus auf den Atlantik. Die äußerst sympathische Familie segelt ein schönes 30 Fuß großes, klassisches Boot und war ebenso froh wie wir, die ca. 550 sm lange Etappe bis Madeira nicht alleine zurücklegen zu müssen.

Am Morgen des 10. Oktober legten wir also ab und nahmen erst mal den direkten Kurs auf See. Die Idee war, möglichst schnell aus den Amüsierseemeilen der Orcas zu entschwinden. Die Wettervorhersage war nicht perfekt (zum Ende würde der Wind evtl. etwas kräftiger wehen) aber akzeptabel. Nach ein paar Stunden entspanntem Segeln kreuzte dann leider ein Gewitter unseren Weg. Die Abstände zwischen Blitz und Donner waren jedoch so groß, dass wir nicht befürchten mussten, als Blitzableiter missbraucht zu werden. Auch die sonst manchmal brutalen Böen blieben aus. Dafür schüttete es dermaßen, dass der Unterschied zwischen Über- und Unterwasser höchstens noch 1% ausmachen konnte. Wir waren gefühlt kurz vor der Kiemenatmung – währenddessen tangierten wir auch noch ein sogenanntes Verkehrstrennungsgebiet (eine Art Autobahn für die Großschifffahrt). Die großen Pötte tauchten im wahrsten Sinne des Wortes aus den Regenfronten auf und wieder ab, blieben aber immer auf sicherer Distanz. Glücklicherweise verzog sich der Regen bald wieder. Übrig blieb guter Wind, aber auch hohe und irgendwie diffuse Wellen, die die Weiterfahrt zu einem kräftezehrenden Eiertanz werden ließen. Apropos Eier: Mareikes liebevoll geplantes Rührei, tanzte solchermaßen motiviert komplett aus der Reihe und verschwand teilweise in ungeahnten Ritzen und Tiefen unser Pantry. Ein Teil fand sich auf Madeira schließlich in der Kühlbox wieder, der Rest blieb in Anteilen verschollen :-(

Schön anzusehen war aber das nun unglaublich blaue Wasser, welches sehr an das Königsblau der Tintenpatronen unserer Schulzeit erinnerte. Vermutlich werden diese hier irgendwo abgefüllt! Ob die Wassertiefe von über 4000 Metern wohl für dieses tiefe Blau verantwortlich ist?

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Tintenblaues Wasser

Leider kam der Wind nun die meiste Zeit direkt von achtern. Da unser Boot kein alter Rahsegler ist, passt das nur bedingt. Solch ein „tiefer Kurs“ ist bei modernen Segelbooten nicht sonderlich beliebt. Wir haben zwar genau für diese Windrichtung ein sehr tolles Segel an Bord aber das ist ein anderes Thema ...

Dank der wirklich großen Wellen glich die Fahrt der „Vega“ jetzt zumindest optisch oft einem Rodeoritt. Obwohl „Holly“ nur einen Meter länger ist aber gut zwei Tonnen schwerer, hatten wir das Gefühl doch etwas ruhiger unterwegs zu sein. Aber vielleicht täuschte das auch nur. Außer einer dicken Schildkröte kreuzte nun nichts und niemand mehr unseren Kurs.

Nachdem wir Anfangs der kleineren „Vega“ immer mühelos davon gesegelt waren und dann ab und an hinter der nächsten großen Welle mal kurz gewartet haben, wurde es nun ein wenig schwieriger in Sichtkontakt zu bleiben. Aufgrund unserer gefeilten Salinge können wir das Großsegel bei Rückenwind nicht so weit öffnen wie die ältere „Vega“ mit geraden Salingen. So waren wir gezwungen vor dem Wind zu kreuzen, was den Weg zum Ziel etwas verlängerte und uns von unserem "Buddy-Boot" entfernte. Besonders schön auf dieser Überfahrt war, dass wir trotzdem mit der „Vega“ in Funkkontakt blieben und so für etwas Entertainment gesorgt war. Während Conrad uns netterweise zweimal täglich den Wetterbericht per Funk durchgab, konnte Mareike mit Santiago funken, der uns zu unsern Hobbies, Lieblingsliedern und zu Deutschland interviewte. Santi ist erst 8 Jahre, aber ein unglaublicher Pfiffikus und sehr eloquent für sein Alter.

Kreuzend, funkend, schlafend, Musik hörend, halsend, lesend und ab und an essend gingen die Stunden und Tage dahin.

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Unser "Buddy-Boot", die britische Vega am Tage …
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… und in der Nacht (das kleine grüne Licht am Horizont).

Die vierte und letzte Nacht wurde leider die herausforderndste. Die Wettervorhersage versprach leicht abnehmenden Wind und kleinere Wellen, die mit bis zu 3 m bisher nicht wirklich komfortabel waren. Solchermaßen „beruhigt“ segelten wir mit vollem Groß, platt vor dem Laken (Wind fast genau von hinten) in die wieder stockdunkle Nacht. Diese wurde dann kurzzeitig durch etwas erleuchtet, dass weder auf dem AIS zu sehen war, noch Positionslichter trug. Es kam uns recht zügig entgegen und „dampfte“ mit deutlich zu vernehmendem Motorenlärm sehr hell erleuchtet an uns vorbei. Entweder ein Fischer (eigentlich müssen die AIS-Signale senden) oder ein verirrtes U-Boot, dass mal Luft holen musste?

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Und wieder wird es Nacht.

Irgendwann um Mitternacht erwies sich dann die Wettervorhersage als glatte Fehlleistung der hochgetackteten Wettercomputer und der Wind legte gemein zu. Was dann geschah glich einem Pogotanz in der Dunkelkammer. Als erstes stieg unsere eigentlich sehr zuverlässige Windfahnensteuerung aus. Wir waren im Surf auf den nun noch größer werdenden Wellen einfach zu schnell. Eine dieser eigenwilligen Wellen schob dann unser Heck etwas zu sehr in die falsche Richtung. Das Ergebis war eine bei Seglern sehr unbeliebte Patenthalse. Klingt für den Laien irgendwie nach Segelkunst, ist aber ungefähr so elegant, wie sich im Parkhaus beim rückwärts Einparken die Fahrertür abzufahren! Gott sei Dank hatten wir vorgesorgt und einen „Bullenstander“ gesetzt (ein starkes Tau, dass die Fahrertür zuhält!).

Da unser Großsegel eh nicht so groß ist, kamen wir erst mal mit dem Schrecken und ohne Bruch davon. Nun mussten wir das Segel aber trotzdem reffen oder komplett bergen. Während also normale Menschen sich im warmen Bett gerade umdrehten, turnten wir zwei wild umeinander, um die Situation wieder unter Kontrolle zu bekommen. Wir drehten "Holly" gegen Wind und gegen die in der Dunkelheit aus dem Nichts anlaufenden Wellen und kämpfen mit dem nun wild schlagenden Großsegel. Das Manöver gelang jedoch bestens. Trotz völliger Dunkelheit, Gebrüll vom Skipper, Rauschen der Wellen und heulendem Wind konnte die mutige Mareike sich nach vorne zum Mast hangeln, das ganze Segel nach unten ziehen und zerren und anschließend noch sichern. Nach der ganzen Aktion hätten eigentlich große Scheinwerfer angehen und ein begeisterter Wolfgang Petersen brüllen müssen: „Und Schnitt, die Szene ist im Kasten – Bravo und Feierabend!!!“. Das passierte aber nicht und so mussten wir gleich die nächste Szene spielen. Wir entschieden uns für die Genua als Hauptdarsteller, rollten diese nur wenig aus, um dann etwas langsamer aber wesentlich entspannter vor dem starken Wind und großen Wellen in Richtung Ziel abzulaufen.

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Madeira!

Den Rest der Nacht verbrachten wir gemeinsam im Cockpit – der Adrenalinpegel war einfach zu hoch und an Schlaf nicht mehr zu denken. Da wir die Madeira vorgelagerte Insel Porto Santo viel früher als geplant im Morgengrauen erreichten, beschlossen wir direkt bis Madeira durchzusegeln. Als etwas später im Morgendunst die beeindruckende Silhouette von Madeira vor uns auftauchte, war aber alle Aufregung vergessen und wir wussten, dass sich die lange Überfahrt gelohnt hatte.

Um 13:47 machten wir nach viereinhalb Tagen auf See endlich in der Marina „Quinta do Lorde“ fest und hatten den bisher anstrengendsten und aufregendsten Atlantiktörn hinter uns. Das Gute: Außer den üblichen blauen Flecken und etwas Rührei gab es keine „Verluste“ zu beklagen – und unser Ruderblatt ist immer noch völlig unversehrt! Das Schlechte: Beim Anlegen beschloss unser Getriebe einfach mal kurz den Rückwärtsgang zu ignorieren und damit das finale Aufstoppen am Steg zu verhindern. Das führte zu einer sehr uneleganten Kollision mit der schon etwas baufälligen Steganlage. Glück im Unglück; Unser Bug zeigte sich im wahrsten Sinne des Wortes völlig unbeeindruckt und der marode Steg wurde Tage später dann sowieso generalüberholt.

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Mit Santi funken machte Spaß!
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Ankommen auch!
Eintrag Nr. 30
Cascais
  • Reisegeschichten

26m hohe Welle, trockene Aliens und Voodoo!

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Gemeinsam mit unserer Passagierin Imke geht es weiter südwärts. Entlang der portugiesischen Küste finden sich nicht wirklich viele Häfen. So bringt uns die erste Tagesetappe nach Saõ Vicente. Dort gibt es zwar keine Stege für Segelboote, aber man kann im Hafenbecken ankern. Nach einer weiteren Nacht in Figuera da Foz erreichen wir Nazaré, den Surfer Hotspot schlechthin. Auf diese Station haben wir uns gefreut.

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An der Promenade vor Nazaré bietet sich unverhofft die einmalige Gelegenheit, einen Alien zu erwerben. Zum trocknen skurril aufgespannte Fische und Tintenfische, die man an den dazugehörigen Ständen erwerben kann, erinnern doch sehr an außerirdische Lebensformen. Obwohl solch ein Alien-Trockenfisch sicher für unsere  Bevorratung an Bord sinnvoll wäre, können wir uns nicht so recht zum Kauf entscheiden …

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Presented by Sigourney Weaver: dry Aliens.

Mit der Drahtseilbahn tuckern wir hinauf auf den Berg, von dem man einen super Blick auf den Surfstrand hat und klettern den etwas unwegsamen Abstieg hinunter an den Strand. Obwohl es so gut wie keinen Wind gibt, sind die Wellen beeindruckend und wir bekommen eine Idee davon, was sich hier abspielen muss, wenn die Bedingungen rougher sind. Hier wurden Rekorde auf Wellen von bis zu 26 m von den besten Surfernen der Welt aufgestellt. Da wir Deutschen ja schon immer gut darin waren, eine dicke Welle zu schlagen, wird der Weltrekord natürlich von einem Landsmann gehalten. Sebastian Steudtner ritt hier am 29. Okt. 2020 eine 26,21m hohe Welle.

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Der Sebastian hat´s gerockt!

Ein klares Highlight in Nazaré ist auch unser Essen bei „Maria Casa do mar“. Ein kleines portugiesisches Restaurant (ausnahmsweise ohne die übliche „gemütliche“ Neon-Beleuchtung) in einer winzigen Gasse gelegen. Maria „turnt“ mit gewinnendem Lächeln zwischen den sehr eng gestellten Tischen herum und serviert uns in einem Topf auf den Tisch den besten Fisch und Scampi in Soße, den wir je gegessen haben. Danke für die Einladung liebe Imke!!!!

Der Wind lässt in den folgenden Tagen immer ganz schön auf sich warten, stattdessen umhüllt uns stundenlang dicker Nebel, der nur hier und da einen Blick auf die Küste zulässt. Nach einem weiteren Zwischenstopp in Peniche umrunden wir auf dem Weg nach Cascsais den südwestlichsten Punkt des europäischen Festlandes, das Cabo da Roca.

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Eis am Stiel mit Stil

Von Cascais aus erobern wir – diesmal mit dem Transportmittel Zug – für einen Tag Lissabon. Wir fahren zudem mit der Zahnradbahn und der legendären Straßenbahnlinie 28, bummeln zickzack durch die Gassen und stellen erneut fest, dass wir nie die picobello vorbereiteten Touristen sind. Das hindert uns jedoch nicht daran, bergeweise leckere Pastells de Nata zu futtern und uns mit tollem, homemade Fruchteis am Stiel zu erfrischen!

Später ärgern wir uns ein wenig, dass wir nicht ein paar der tollen Voddopuppen gekauft haben, die von einem Künstlerkolektiv angeboten wurden. Hätten wie so doch auf hoher See die Möglichkeit gehabt täglich einen der globalen Quälgeister Kiel zu holen.

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Zum reinstechen komisch!

Leider schrumpft in Cascais die Holly-Crew wieder auf die klassische Besatzung zusammen: Ein dickes Dankeschön an Imke für 11 wunderbare gemeinsame Tage, für Deine Gelassenheit mit der Enge an Bord, das tapfere Aushalten der manchmal hohen Wellen, für all die Fliegen, die Du in Portugal unermüdlich in unserem Salon gejagt hast (in Portugal waren sie quasi eine Plage …) und all die Ersatzteile, die Du on top zu Deiner guten Laune mit an Bord gebracht hast!!!

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Beste Freundinnen

*Kiel holen: Ein armer Wicht wurde mit Seilen bei voller Fahrt unter dem Schiffsrumpf von einer Seite auf die andere durchgezogen. Endete häufig mit Ertrinken oder schlimmen Verletzungen des selbigen.

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Abendstimmung in Nazare
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Nazare
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Nazare
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Cascais
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Lissabon
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Morgenstimmung vor Cascais
Eintrag Nr. 29
  • Seglerlatein

Ein neues Geräusch!

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Der Laie ahnt es nicht: Segelboote sind eng verwand mit Musikinstrumenten. Wie bei Saiteninstrumenten werden zur Tonerzeugung eine oder mehrere Saiten (Taue) verwendet, die zwischen zwei Punkten (oft Mastfuß und Masttop) gespannt sind. In den meisten Fällen wird die Schwingungsenergie auf einen Resonanzkörper (Mast) übertragen und dort in Schallenergie umgewandelt, um dann im Rumpf anzukommen.

Verschiedene Tonhöhen werden entweder durch Abteilen der Taue und Seile oder dadurch erreicht, dass für jeden Ton (mindestens) ein eigenes Tau vorhanden ist. In jedem Fall gilt: Je kürzer, je straffer gespannt und je dünner die Taue sind, desto nerviger wird der Ton (frei nach Wikipedia).

Was die Sache besonders spannend macht, ist die Tatsache, dass man mit diesem Musikinstrument auch segeln kann. Jeder oder jede, die schon mal – während das Musikinstrument durch die Wellen schaukelt – versucht hat, im Inneren zu schlafen, wird ein wissendes Lied davon singen können. Besonders einprägsam ist diese Vielzahl an Gräuschen bei kräftigem Wind. Zu dem Schlagen, Klappern, Bollern, Rummsen, Klimpern, Polltern, Bimpern und Scheppern gesellt sich dann noch ein durchdringendes Jaulen, Heulen, Pfeifen, Surren, Flöten und Zischen. Freejazz ist damit verglichen eine geradezu hochmelodiöse Emission.

Wenn eine Segeljacht nun also schwankend und von der Muse geküsst, bei etwas höheren Wellen unterwegs ist, passiert folgendes: Alles, was so mit muss (Töpfe, Gläser, Pfannen, Dosen, Flaschen, Werkzeug, …) wird emotional so mitgerissen, dass es unweigerlich anfängt, im Takt zu schunkeln wie bei der Stunksitzung in Kölle. Der ganze Saal johlt vor Stimmung!!! Dabei entstehen Geräusche, die man sich gar nicht vorstellen kann: dängel, pling, chrunch, grrreng, krrr, urz, päng, ding, prrrrrrrrr, toktuk, knarz und manchmal auch pöff! Erst kürzlich hatten wir ein "plong ping ping" irgendwo im Boot. Nach nur 30 Minuten suchen hatte Mareike die Übeltäterin entdeckt: Eine leere Wasserflasche (plong) plus abgedrehtem Schraubverschluss (ping ping) rollte in einem Fach umher.

Hat man das Pech, dass Wind und Welle durch völlige Abwesenheit glänzen, dann ist nicht etwas Ruhe im Karton – nein, denn in diesem versteckt sich der kleine Bootsmotor, welcher nun zum Leben erweckt wird. Herr Diesel ist leider auch nicht so ganz piano, wie man sich das wünscht – wohnt und werkelt er doch quasi mitten im Wohnzimmer.

Drückt die Seefrau oder der Seemann, in der Koje liegend, sein Ohr an den Rumpf, so eröffnen sich wiederum neue Klangdimensionen. Das vorbei strömende Wasser kann tatsächlich eine sehr beruhigende Wirkung haben – besonders wenn das Schiff sehr gleichmäßig durchs Wasser gleitet. Gleiten zufällig parallel ein paar Delfine neben der dicken Bootswand, hört man diese sogar schnaufen oder pfeifen. Im Hafen wiederum wird das Ohr ab und an durch ein diffuses Knistern und/oder ein lautes Knacken erfreut! Ersteres erzeugen winzige, kleine Krebse, die an der Bordwand sitzen und auf Brautschau sind. Ähnlich wie Motorradfahrer mit röhrenden Sportauspuffanlagen versuchen sie mit diesem Geknister, ein Weibchen für sich zu begeistern. Knackt es dagegen hörbar, dann ist entweder das Schiff verrottet und sinkt gleich oder ein sympathisch anzuschauender Drückerfisch knabbert am Rumpf oder am Steg die Muscheln ab, was nebenbei bemerkt, wiederum ganz nützlich ist.

Einer unserer besonderern Lieblinge in Sachen Tonerzeugung ist der unauffällig unter der Vorschiffskoje verbaute Edelstahlwassertank. Ist er doch scheinbar in direkter Linie mit einer karibischen Steeldrum verwandt! Bei einer bestimmten Kombination von Füllstand und Welle läuft er zur musikalischen Höchstform auf: Es fängt mit einem unauffälligen Plitsch an, gefolgt von einem nur unwesentlich lauteren Platsch. Geräusch Nr. 3 ist schon ein richtiges Plong. Dann wird es ernst: Auf ein schon lautes Rumms folgt ein wahrer Donnerschlag, – so als ob der Geist von Bob Marley ein Reggaefestival auf Cuba eröffnet hätte! Nach einer Gedenkminute fängt das ganze wieder von vorne an! Wir verlassen dann manchmal das Festivalgelände und ziehen in den Salon um ...

So wird also das Jachtleben durch eine Vielzahl von Geräuschen bereichert. Nicht besonders erwähnt wurden hier klappernde Türen, knarschende Masten, polternde Ruderblätter, krachende Steganlagen, quietschende Fender, blubbernde Pumpklos, schlagende Umlenkrollen, surrende Spannbänder, brummende Kühlschränke, knatschende Festmacher und dröhnende Wasserpumpen. Und gerade wenn man denkt, man kennt sie alle, dann ist es da plötzlich: Ein ganz neues Geräusch!?!?

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Hier schauen sie noch so unschuldig. Aber wehe das Boot bewegt sich ...
Eintrag Nr. 28
Porto
  • Reisegeschichten

Juchu, wir bekommen Besuch!

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Vorbei an endlosen Sandstränden segeln wir weiter südwärts zum nächsten Highlight: Porto!

Auf Porto freuen wir uns aber nicht nur, weil wir so gespannt auf die schöne Stadt sind, sondern weil wir dort zum ersten Mal auf unserer Reise Besuch erwarten!

Urlaub bei Leuten machen zu wollen, die gerade mit ihrem Segelbötchen unterwegs sind, erfordert ein hohes Maß an Flexibilität. Für uns ist es sehr schwer - eigentlich unmöglich - über mehrere Wochen im Voraus zu sagen, wann wir wo genau sein werden. Zeiten und Ziele verändern sich durchaus immer wieder, weil der Wind (das Thema hatten wir ja schon ...) eben nicht immer passt. Unsere Freundin Imke aus Kiel hatte bereits unter Beweis gestellt, dass sie hochflexibel und mit uns und unserer Art des Reisens sehr geduldig ist. Eigentlich wollte sie nämlich nach unserer ersten geplanten Biskaya-Überquerung in A Corona zu uns stoßen. Da wir dort aber bekanntermaßen nicht in time ankommen konnten, hat sie ihren Urlaub nicht etwa kurzerhand ohne uns verbracht, sondern komplett so verschoben, dass wir uns in Portugal treffen konnten. Das hat uns riesig gefreut!

Unterwegs zu sein ist wirklich wunderbar, jeder Tag ist ein kleines oder größeres neues Abenteuer und es wird selten wirklich langweilig ... aber wir vermissen doch auch immer wieder den ganz analogen Kontakt zu unserer Familie und zu unseren Freunden. Also gab es eine riesige La-Ola-Welle für Imke als sie mit ihrem Rucksack bei uns in der Douro-Marina vor Porto auf dem Steg stand!!!!

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So sind wir nun zu dritt. Damit Imke aber die für solche Zwecke gedachte Heckkabine bewohnen kann, müssen wir ein wenig umräumen. Diese Kabine ist nämlich wie in vielen Fahrtenjachten zum „Keller“ zweckentfremdet. Allerlei Dinge müssen also umziehen, was bedeutet, dass das komplette Boot auf den Kopf gestellt wird – eine Art innere Kenterung sozusagen. Die Fock muss unter Protest in die Backskiste, der Parasailor auf’s zugige Vordeck, der iMac hinter das Salonsofa, wo er Freds Ruderblatt, ein paar Paddel, einen Grill und den Notarztkoffer wieder trifft. Die Redewendung „wie bei Schmitts hinterm Sofa“ wird somit zur Tatsache! Im Übrigen ist es wirklich verblüffend, was alles so in ein Segelboot hinein passt.

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Porto selbst ist der Hammer! Das tief eingeschnittene Flusstal mit seiner prägnanten Brücke wird zwar kräftig von Touristen durchflutet, trotzdem entfaltet es aber einen beeindruckenden Charme. Das liegt vermutlich auch dran, dass es in den pittoresken Gassen und am Ufer so gut wie keinen Autoverkehr gibt. Wie überall in Portugal sieht man leider auch hier sehr viele alte, einst wunderschöne Häuser, die langsam verfallen und wohl kaum noch zu retten sind. Nach dem Kauf eines 20 Jahre alten Portweins, einer Fliegenklatsche und einer entzückenden, kleinen Schiefertafel in einem Kaufladen, in dem die Zeit scheinbar stehen geblieben ist und in dem man vom freundlichsten Verkäufer der Welt bedient wird, sind wir gerüstet für die Weiterfahrt.

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Eintrag Nr. 27
Viana do Castello
  • Reisegeschichten

Kleine Schwester vom großen Turm

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Viana do Castello heißt unser nächstes Ziel – damit haben wir dann auch endlich Portugal erreicht!

Hier hat Herr Eiffel, bevor er Paris mit dem gleichnamigen Turm beglückte und die Freiheitsstatue in New York mit der nötigen Standfestigkeit versah, eine filigrane Brücke nicht nur quer über den Jachthafen gebaut, sondern gleich auch über den Rio Lima. Oben auf dem imposanten und eleganten Stahl-Bauwerk queren Autos, Trecker, Radfahrer und Wanderer den Fluss – eine Etage tiefer dröhnt die Eisenbahn durch das stählerne Bauwerk. Man könnte meinen, dass so ein Konstrukt über dem Hafen nervt – wir fanden es aber überraschend unterhaltsam. Und selten wurden wir vom Hafenpersonal so nett begrüßt wie dort!

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Die Stadt selbst ist sehr attraktiv und verfügt über wunderschöne Gassen und abwechslungsreiche Architektur. In diesem schönen Ambiente treffen wir auch endlich Jutta und Thomas von der „Jobber“ wieder, was uns wirklich sehr gefreut hat.

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Eintrag Nr. 26
Galizien
  • Reisegeschichten

Galizien – Kurs 180 Grad

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Karibikfeeling in Galizien

Ganz oben links auf der iberischen Halbinsel sind wir nun gelandet. Dort, wo die Atlantikküste besonders heilig ist – ist doch immerhin Santiago de Compostella „um die Ecke“ – das Ziel von Millionen Pilgern, seit dort 820 das Grab des Apostels Jakob angeblich (wieder)entdeckt wurde.

Das nordwestliche Ende von Spanien ist auch für uns der Beginn einer längeren Etappe – der Kurs führt nun stur nach Süden, entlang der kompletten Atlantikküste der iberischen Halbinsel. Erst mal vorbei an den schönen „Rias“, wie die tiefen, fjordartigen Einschnitte in die Landschaft hier genannt werden. Nachdem wir in der Bretagne den Herbst schon deutlich an unsere Kajüte klopfen hörten, fühlt es sich hier wesentlich sommerlicher an.

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Muxia

Nach A Coruna mit seinen schönen Glasfasssaden und seinen weniger schönen Kreuzfahrtschiffen, die paradoxer Weise auch mit riesigen Glasfassaden daherkommen, setzen wir Kurs auf Muxia, einem kleinen galizischen Ort mit Hafen. Dank der umgebenden Wälder wird die ganze Bucht von einem frischen Duft nach Kiefern durchströmt. Wer es klein und beschaulich mag, ist hier genau richtig. In diesem völlig unspektakulären Hafen hätten wir auch überwintern können. Wer hier nicht entschleunigt, schafft das nirgendwo! So langsam wie hier, haben wir beispielsweise noch nirgends getankt: unsere vom Tankwart(!) liebevoll befüllten Kanister durften wir von der direkt neben dem Hafen gelegenene Tankstelle, die nur über eine Tanksäule verfügt, im exklusiven, zur Tanke gehörenden Einkaufswagen auf den Steg schieben. Auch unser Dom hatte in Muxia wieder Ausgang und besuchte einen nahen „Kollegen“ auf dem Kap an der Westseite der Bucht.

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Muxia – Entschleunigung pur!
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Dom mit "Kollege"

Nach Muxia biegen wir „links ab“ in den Ria de Muros. Dort, in der kleinen Bucht Enseada de Bornalle, werfen wir das erste Mal seit Beginn unserer Reise den Anker. Vorher kreuzt eine Schule von bemerkenswert großen Tümmlern unseren Weg. Wir ankern auf klarem Wasser und fühlen uns angekommen im Süden. Zum ersten Mal kommt auch „Fred“, unser Beiboot zum Einsatz. Mit seiner Hilfe erkunden wir den schönen, Muschel übersähten Strand. Hier bleiben wir drei Tage. Nach dem Ankerlichten queren wir die große Bucht zusammen mit „Aura“ einer schönen OE32 aus Schweden, die uns länger begleitet. Wir geben uns gegenseitig Rückendeckung in Sachen Orcas. Diese großen, wunderschönen Schwertwale, die eigentlich zur Familie der Delfine gehören, sind nämlich bedauerlicherweise zu einer Bedrohung für Segeljachten geworden: Die Orcas genießen neuerdings gerne mal ein Stück Ruderblatt zum Frühstück. So segeln und motoren wir abwechselnd zusammen mit der Aura an der felsigen Küste entlang. Die Nacht verbringen wir wieder vor Anker im nächsten Rias. Tags drauf geht´s wieder in Gesellschaft unseres schwedischen Buddys in Richtung der wunderschönen Isla Cies. Zuvor haben wir nach einem Onlineantrag eine Genehmigung bekommen, hier ankern zu dürfen. Das ist Vorschrift, da es sich bei der Insel um ein Naturschutzgebiet handelt. So ankern wir also wieder über wirklich türkisem Wasser und lassen es uns richtig gut gehen. Leider dreht der Wind und wir können nur für einen Tag an diesem Karibik-Strand bleiben.

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Treibstoff für Holly
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Treibstoff für die Crew
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Ankern vor Muros
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Ankern vor der Insel Cies
Eintrag Nr. 25
Biskaya
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Mal rüber jemacht …

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Mond und Jupiter
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Wir hatten einen kleinen Vogel!

Die Biskaya ist für schlechtes Wetter, starke Stürme und extremen Seegang bekannt – so nett beschreibt es das allwissende Wikipedia. Weiter heißt es dort: Die Hauptrichtung der Wind- und Meeresströmung wird vom Eintreffen des Golfstroms an der europäischen Festlandsküste bewirkt und führt vom Pointe Penmarc’h an der bretonischen Südküste aus in einer im Uhrzeigersinn drehenden Strömung bis zum Cabo Ortegal. Die dabei auftretenden Verwirbelungen zwischen dieser Strömung und der Küste gelten in der Seefahrt durchaus als gefährlich, zumindest für kleine und mittlere Wasserfahrzeuge. So weit so (un)gut!

Trotz dieser wenig Mut machenden Einschätzung wollen wir im zweiten Anlauf nun endlich darüber – und mit uns noch einige andere Segler auf oben erwähnten kleinen Wasserfahrzeugen.

Ab dem 10.09. war es dann endlich so weit: mindestens drei Tage lang harmloses Wetter mit wenigen bis gemäßigten Winden aus Nordost. Trotz guter Wettervorhersage hat dann doch jeder Segler etwas Schiss in der Salopette, wenn er ablegt. Die ersten Meter tuckerten wir noch Bordwand an Bordwand mit der "Zouterik" aus dem Hafen von Carmel sur Mer. Die sympathischen fliegenden Holländer kommen gerade von eine vier-jährigen Segelreise zurück und sind aktuell auf dem Weg nach Hause. Tags davor hatten sie uns noch ordentlich Mut gemacht. Danke dafür! Dann trennten sich unsere Kurse und Holly drehte ihren Bug Richtung Süden. Die ersten Stunden gehörten mangels Wind ganz unserem Volvo Penta-Borddiesel. Geduldig schob er uns mit 2000 lässigen Umdrehungen seiner Kurbelwelle hinaus in die Biskaya. Am späten Nachmittag kam dann endlich der ersehnte Wind auf, wir konnten die Segel hissen und in die Nacht hinein segeln. Der lange Hupton zweier weit vorausfahrender großer Frachter ließ uns nichts Gutes ahnen ... zwei Stunden später verschlang uns dichter Nebel. Sterne gucken und Vollmondnacht adieu! Statt dessen anstrengendes Starren ins Dunkel und: nichts! Dank Radar und AIS* fühlten wir uns trotzdem recht sicher in dieser Wasserwelt, welche zu dem Zeitpunkt unter uns aus 100% und über der Wasserlinie aus 95% Wasser bestand. Apropos "unter uns": Als Ost- oder Nordseesegler ist man Wassertiefen so um die 10, 20 oder auch mal 100 Meter gewohnt. Die Biskaya eröffnet hier ganz ungeahnte Tiefen. Hat man den Kontinentalschelf erst mal hinter sich gelassen, befinden sich recht schnell mehr als 4000 m Wasser unter dem Boot. Also ein klein wenig mehr als die immer gewünschte "handbreit Wasser unter dem Kiel".

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Und schon wieder wird es dunkel …

Dünung 3 bis 4m, Frequenz 12 bis 16 Sekunden. Was so trocken klingt, beschreibt eine extrem beeindruckende Wasserlandschaft: Riesig scheinende Wasserberge, aus Westen anlaufend, die das kleine Wasserfahrzeug entschlossen emporheben und zärtlich im nächsten Wellental wieder absetzen. Im Prinzip eine recht harmonische Angelegenheit – wäre da nicht die sogenannte Windsee! Also die Welle, die der Wind ganz unmittelbar erzeugt. Diese kommt nämlich aus Nordost und läuft der großen Dünung entgegen.

Das ganze erinnerte dann rein optisch an eine Landschaft wie dem sanft geschwungenem Allgäu, nur eben aus Wasser modelliert – und mit der beschriebenen Windsee auf den Almen anstelle der katholischen Kühe. Während wir also in elegantem Schlingerkurs mit Hilfe der versprochenen 12 bis 14 kn Wind, uns von Wasser-Alm zu Wasser-Alm schwangen, entfernten wir uns immer mehr von der französischen Küste. Gleichzeitig wurde es immer einsamer um uns. Die kleine Gruppe Segler, die man anfangs noch auf dem AIS* erkennen konnte, verteilte sich immer mehr auf dieser schier endlos großen Fläche. Irgendwann waren wir gefühlt ganz alleine! Hinter uns ein Tag und eine Nacht vor uns zwei Tage und zwei Nächte. Obwohl nicht das erste Mal nachts auf See, fühlte es sich schon sehr speziell an. Immerhin leisteten uns zahllose Delphine, ein richtig großer Wal, ein dicker Vollmond und der Jupiter, der direkt neben dem Mond sein Plätzchen gefunden hatte, Gesellschaft. Auch der ein oder andere große oder kleine Vogel schien unser Ziel zu teilen. Wobei man sich doch fragt, was ein spatzengroßer Vogel wohl mitten auf der Biskaya verloren hat? Vielleicht wusste das Vögelchen es selbst nicht – zumindest war es anscheinend froh, unser Boot als Raststätte benutzen zu können! So hatten wir zumindest eine Weile einen Vogel!

Sehr schade war, dass Mareike mitten auf der Biskaya das erste Mal richtig seekrank wurde. Dies war eine echte Herausforderung für uns. Dank Mareikes Zähigkeit und ihrem Glauben an die Kraft der Selbstheilung war dieses Elend jedoch nach "nur" ca. 20 Stunden überwunden.

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Spanien – Ziel erreicht!

Alles in allem haben wir etwas schneller „rüber gemacht“ als gedacht. Früh morgens, am Dienstag, dem 13.09. näherten wir und dann mit viel Wind und einem tollen Speed der Küste von Spanien – wäre da nur nicht dieses verdächtige Blitzen am Horizont gewesen. Und ja, wie hätte es auch anders sein können, als kleine Zugabe gab es dann noch ein Gewitter. Es schüttet aus Kübeln und sogar das iPad in der garantiert wasserdichten Otterbox bekam zu guter Letzt leichte Verhaltensstörungen. Ca drei Stunden später hatten wir es dann endgültig geschafft und vertäuten Holly im Hafen von A Coruna. Chapeau, das Wasser-Allgäu war bezwungen!

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*Das AIS = Automatic Identification System ermöglicht es, die Position, den Namen, die Größe, die Geschwindigkeit und den Kurs anderer Schiffe, frühzeitig auf der eigenen digitalen Seekarte zu erkennen – auch wenn diese (noch) nicht zu sehen sind. Praktischerweise zeigt es auch an, wann man das andere Schiff mit welchem Abstand passiert. Ist dieser Abstand mit „Null“ angegeben, hat man in naher Zukunft ein Problem und sollte über eine Kursänderung nachdenken!

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A Coruna – Schönheit am Meer
ein Bild von Holly Golightly
ein Bild von Holly Golightly
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Eintrag Nr. 24
Camaret sur mer
  • Reisegeschichten

Wenn das Wetterfenster klemmt: Abwarten und Prossecco trinken!

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Zum Thema Geduld gibt es gefühlt eine Millionen Sinnsprüche, lauter kluge Hinweise im Worldwideweb und allerlei Online-Seminare von ach so sehr geduldigen Coaches. In einer eher ungeduldigen Grundstimmung ist man allerdings wenig offen für Ratschläge aus dem Off.

Wenn man sich langsam aber sicher und sehr tapfer erst mal selbst davon überzeugt hat, dass die Biskaya auch einfach nur ein Teil vom Meer ist, welches in aller Ruhe überquert werden möchte, ist es nicht so ganz einfach, diese Überzeugung über einen längeren Zeitraum zu erhalten, ohne losfahren zu können. (An dieser Stelle darf gerne darüber spekuliert werden, welchen Teil der Holly-Besatzung dieses Thema wohl besonders betrifft …)

Das ist eigentlich noch schlimmer, als das kindliche Warten auf Weihnachten. Da wusste man zumindest mit Sicherheit, dass es am 24. Geschenke gibt.

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In Camaret sur mer warteten wir also auf den richtigen Wind. Für Seglernen gibt es übrigens vorrangig drei Sorten Wind:

1. zu viel

2. zu wenig

3. aus der falschen Richtung

Deshalb kann das Warten schon mal ein wenig länger dauern. Wir bleiben neun Tage in Camaret sur Mer und die gute Nachricht ist, dass es deutlich schlechtere Plätze auf der Welt gibt, um sich mit seiner inneren Unruhe und der hohen Kunst der Geduld zu beschäftigen.

Camaret hat eine tolle Boulongerie mit den besten Baguettes und leckeren kleinen Bretonischen Kuchen, allerlei kleine Restaurants auf der Hafenpromenade, und eine gleichzeitig zauberhaft und schroffe Landschaft mit großartigen Ausblicken über die wilde Küste und den Atlantik. Außerdem gab es endlich mal wieder einen Rummel mit Autoscooter (und wer ganz genau schut, kann Holly im Hintergrund sehen).

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Das Spannende am Hafen von Camaret ist, dass es keine Dalben gibt, an denen die Stege befestigt sind. Stattdessen hängen die Stege an Ankern. Das führt dazu, dass sich das komplette Ensemble von Stegen und Schiffen heiter im Wind hin und her bewegt, ein bisschen so, wie wenn vor Anker liegende Schiffe schwoien (und es gab viel Wind in Camaret :-)).

Es hat uns außerdem sehr gefreut, wieder die Bekanntschaft von anderen Langfahrernen zu machen. Deshalb an dieser Stelle viele Grüße an die Anakiwa mit Dank für die geselligen Abende und an die Kölsch-Brasilianische Crew der Eos für ihre herzliche Gastfreundschaft (PS: besonders erwähnen möchten wir die überragenden Kochkünste von Maria :-) )

Anbei noch einige Impressionen:

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Morbid, schöne Nachbarschaft: fleißige Kutter am Ende ihrer Existenz

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Architektonisches Vielerlei:

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Austernsammler bei totaler Ebbe:

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Dom op jück:

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Bretonische Eindrücke:

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Eintrag Nr. 23
l´Aber Wrac´h, Camaret sur mer
  • Reisegeschichten

Scheinriesen in dicker Suppe

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Nach mittlerweile neun Tagen in l´Aber Wrac`h war die die Crew mehr als reif für einen Ortswechsel. Am Vormittag sollte es gemütlich nach Camaret sur Mer gehen, wo wir dann erneut hübsch geduldig auf ein neues Wettwefenster für die Biskaya warten müssten.

Am Abfahrtsmorgen lag dicker Nebel über dem Aber Wrac`h – typisch Ärmelkanal. Als wir lostuckerten, hatten wir den Eindruck, die Sicht wäre schon etwas besser, aber tatsächlich mussten wir uns eher im Schneckentempo durch die dicke Suppe tasten. Gemeinsam stierten wir auf die graue Wand in der Hoffnung, irgendwelche Hindernisse frühzeitig zu erkennen.

Unser Radar bekam dabei seinen ersten ernstzunehmenden Einsatz und half uns sehr dabei, entgegenkommende und kreuzende Schiffe schon zu erahnen, bevor wir sie dann wirklich sehen konnten.

Als es hinaus auf´s Meer ging, lichtete sich der Nebel leider nur kurz und es kam prompt die nächste dicke Nebelwand. Solchermaßen zur Kurzsichtigkeit verbannt, bestand keine Gefahr, dass wir uns von der sicherlich beeindruckenden Küste des Festlandes, dem Anblick der schönen Ile d´Quessant, dem Leuchtturm von La Jument oder all den imposanten Felsen an Steuerbord und Backbord hätten ablenken lassen können.

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Starrt man so konzentriert in den Nebel, bildet man sich nach einer gewissen Zeit ein, eine ganze Menge Zeugs zu sehen, das in Wirklichkeit aber gar nicht existent ist. Erstaunt hat uns ebenfalls, wie schwierig es war, die wahre Größe der aus dem Nebel auftauchenden Boote einzuschätzen. Vermeintlich große Kutter, entpuppten sich zum Beispiel bei Annährung als kleine Angelbötchen.

Ein wenig fühlten wir uns wie Lukas der Lokomotivführer und Jim Knopf, die zum ersten Mal auf den Scheinriesen Herrn Tur Tur treffen.

Nun liegt der Ärmelkanal hinter uns. Hallo Atlantik!

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Eintrag Nr. 22
l'Aber Wrac'h
  • Update

Waschtag + Zeitvertreib

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In (besonders für Mareike) herausfordernden Abwarte-Situationen bäckt die Co-Skipperin meist Kuchen oder wäscht Wäsche.

Franz bedauerte es in diesem Fall ein wenig, dass sie sich für Letzteres entschieden hatte. Das Wetter war nämlich so stürmisch, dass wir die Wäsche nicht draußen aufhängen konnten, weil die Verluste drohten, zu groß zu werden.

So hatte er sich Blauwasser-Segeln nicht vorgestellt!

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Also radelten wir ein wenig durch die Gegend, bewunderten romantische Straßen und bemerkenswerte Türen ...

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... entdeckten (Danke für den Hinweis an Ute und Jockel!) die Abbaye des Anges – wunderschön beschrieben in Jean-Luc Bannalecs "Bretonische Nächte" (Kommissar Dupins elfter Fall),

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aktuell jedoch leider ...

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Auf den Wanderwegen war allerlei verboten und während wir auf Hollys Landgang und schließllich auf günstigen Wind warteten, ging es für uns in vielerlei Hinsicht immer mal wieder hoch und runter.

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Am Plage Sainte Marguerite kam dann trotz aller Widrigkeiten wieder ein bisschen Urlaubs-Stimmung auf. Die bei Ebbe entstehenden Buchten und "Landschaften" sind zauberhaft, wie aus einer anderen Welt und die Farbe des Wassers lässt keine Wünsche offen.

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Zu guter Letzt wollte auch der Dom mal wieder "op jück" und machte es sich auf für die Region typischen "Austernkissen" gemütlich – damit war die Woche im hübschen l'Aber Wrac`h zu Ende.

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Eintrag Nr. 21
l´Aber Wrac`h
  • Seglerlatein
  • Reisegeschichten

Schraubenlösungen und Affären, die nicht halten

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Nach der Abschlepp-Aktion folgte ein gefühlt sehr langes Wochenende – noch war uns die genaue Ursache des grauenvollen Gerumpels ja nicht klar – an dem wir alle mögliche Horrorszenarien durchspielten, die für den Ausfall den Antriebs verantwortlich gemacht werden könnten. Unser Top-One-Tipp war der Propeller.

Nachdem unsere „Holly“ mit ihrem neuen Kumpel “Valtra“ (einem etwas betagten Trecker mit 75 amerikanischen Pferdestärken) einen Landausflug unternommen hatte, konnten wir sofort sehen, dass wir mit unserer Vermutung richtig lagen.

Was ein Schraubenquartett, das beschließt sich (auf)zu lösen, so anrichten kann ist erschreckend! Im Falle unseres Drehpropellers, bei dem sich mal ausnahmsweise nicht nur alles um ihn selbst dreht – er kann auch seine Flügel verdrehen –  hatte der mangelhafte Zusammenhalt des Inbus-Schraubenquertetts fast zum Totalausfall des selben geführt. Glücklicherweise hatte sich der Propeller vor dem kompletten Zerfall noch eine Weile gewehrt und durch brutale Vibrationen auf seine missliche Lage aufmerksam gemacht. Solchermaßen gewarnt hatten wir den Propellerbetrieb dann ja schwer beeindruckt eingestellt und uns schweren Herzens wieder in den Hafen schleppen lassen.

Um genau zu sein: Es hatte sich doch tatsächlich das Gehäuse des Propellers gelöst. Das ist schon seltsam – eigentlich geht man doch davon aus, dass das was der Hersteller verbunden hat, sich nicht lockern darf. In unserem Fall, hat der Glaube daran anscheinend wenig geholfen. Immerhin konnten wir die endgültige Trennung verhindern und die Festigkeit der Beziehung zwischen Gehäusedeckel und Propellerflügeln wieder herstellen. Für gute Beratung in dieser Beziehungskrise sorgte übrigens der Hersteller per Telefon und Mail. Zusätzlich haben wir mit dem unter Schraubern beliebten und bewährten blauen „Loctide“ dafür gesorgt, dass die Beziehung auch zukünftig von Dauer ist!

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Zu der Affäre zwischen Holly und Valtra nur soviel: Länger als eine Nacht zusammen auf dem Parkplatz hat es nicht gehalten. Hätte uns auch gewundert – die beiden sind einfach zu verschieden. In etwa so wie bei 

„Tante Qualle und der Elefant“

Die Tante Qualle schwamm zum Strand.
Es liebte sie ein Elefant
Mit Namen Hildebrand genannt.
Der wartete am Meeresstrand
Mit einem Sträußchen in der Hand.
Das übergab er ihr galant
Und bat um Tante Quallens Hand.
Da knüpften sie ein Eheband.
Der Doktor Storch, der abseits stand,
Der dachte: „Armer Hildebrand!“
Worauf er weiterging und lachte.

Warum der Storch wohl so was dachte?

Jochim Ringelnatz, 1924

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Eintrag Nr. 20
l'Aber Wrac'h
  • Reisegeschichten

Zurück auf Los

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Die Biskaya – für die meisten Crews eine spannende Herausforderung – erzeugte auch bei uns im Vorfeld den einen oder anderen Adrenalin-Schub (ehrlich gesagt besonders bei der Vorschoterin).

Drei Dinge gilt es in Sachen Biskaya-Überquerung zu beachten:

1. Das optimale Wetterfenster zu erwischen

2. Keinen Fischtrawler zu rammen (Boris Herrmann)

3. Nicht den gefräßigen Orcas zum Opfer zu fallen

Das Wetterfenster hatte sich gefunden und der Rest würde sich mit Hilfe von starkem Kaffee und nach Meinung des Skippers mit einer Orca-Abwehr-Boom-Box, die Helene Fischer spielt, klären lassen.

Solchermaßen exzellent vorbereitet, starteten wir am Morgen des 27. August in den Sonnenaufgang. Die Crew war motiviert und alle negativen Gedanken blieben zurück.

Was dann folgte erinnerte an ein Liebesabenteuer mit ungefähr 16. Es ging doll los und war viel zu schnell vorbei.

Im Detail:

Ablegen, Großsegel hochziehen, Frühstück, Kaffee, Sonnenaufgang bewundern, unter schnurrendem Schiffsdiesel aus dem kleinen Fjord raus, Genau ausrollen.

Draußen angekommen probierten wir trotz wenig Wind , ohne Motor voran zu kommen. Leider war nicht mehr als ein laues Lüftchen vorhanden, weshalb der kleine Volvo wieder in Aktion treten sollte. Also Hebel auf den Tisch … Leider stellte sich beim Gas geben eine nie da gewesene Kakophonie aus grauenvollen Geräuschen und furchtbaren Vibrationen ein.

Dies erzeugte nicht nur bei Mareike ein entsetztes Gesicht, sondern ließ beim Skipper die Vision eines gleich im Atlantik versinkenden Dieselantriebs aufsteigen. Was nun? Nachdem der Antrieb weder vorwärts noch rückwärts Kooperationsbereitschaft signalisierte, checkten wir unsere Optionen.

Uns war relativ schnell klar, dass die Situation nicht ganz ungefährlich war. Der Abstand zur sehr festigen Küste betrug etwa eine Seemeile, die laue Brise reichte nicht ansatzweise aus, um zu segeln und der aus dem Fjord ablaufende  Ebb-Strom würde über Stunden komplett verhindern, mit dem wenigen Wind zurück in den Ausgangshafen zu kommen.

Guter Rat war teuer (Spoiler: sollte sich später auch bestätigen)

Nach sorgfältigen Abwägen der Lage, waren wir uns einig, dass wir fremde Hilfe benötigen würden. Glück im Unglück war, dass die vorherrschende Strömung uns nicht auf die Küste, sondern parallel zu ihr treiben ließ.

Und da war er nun: unser erster Pan Pan-Ruf. Pan Pan funkt man, wenn Leib und Leben nicht bedroht sind, man aber auf fremde Hilfe angewiesen ist. Dieser Ruf ist für alle Schiffe in der Umgebung zu hören. Man meldet damit den eigenen Schiffsnamen, die Position, das Problem und die Hilfe, die man benötigt. Unser Hilferuf wurde umgehend von dem französischen Rettungsdienst bestätigt und auch von ihm ihm erneut an Alle in der Nähe gesendet.

Und dann muss man geduldig warten, ob jemand reagiert.

...

Wir haben erstmal eine Stunde gewartet. Glücklicherweise waren die Wellen nicht allzu hoch, wir trieben – uns hübsch um die eigene Achse drehend  – mit zweieinhalb Knoten Richtung Biskaya. Der Kurs an sich war also nicht verkehrt, jedoch ließ die Geschwindigkeit zu Wünschen übrig und in absehbarer Zeit wäre auch noch eine Insel im Weg gewesen.

Nachdem sich leider sich leider kein Freizeit-Skipper fand, der uns helfen konnte, wurden wir erneut von dem Französischen Rettungsdienst angefunkt und darüber informiert , dass sich ein Rettungskreuzer aus l’Aber Wrac’h auf den Weg machen würde. Eine weitere Stunde später traf dieser dann auch bei uns ein.

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Während Mareike tapfer versuchte, das geplante Manöver des Abschleppens per Funk von dem Englisch sprechenden Französischen Skipper des Rettungsschiffes zu verstehen, kämpfte Franz auf dem Vorschiff mit drei verschiedenen Tau- und Leinensorten, die ihm von vier wild gestikulierenden Franzosen zugeworfen worden waren, bekam dabei sowohl Anweisungen auf Französich vom Rettungsschiff zugerufen als auch von Mareike, die die Info ja über Funk bekam. In Summe riefen also fünf Franzosen und zwei Deutsche wem auch immer was auch immer zu. Haupuh!

Um das große Durcheinander zu beenden wechselte ein Franzose in einem virtuosen Manöver das Schiff und entwirrte das Französische Makramee, das unterdessen auf unserem Schiff gelandet war.

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Nachdem alles zurecht getüddelt war, ging es in einer für unsere Holly nie da gewesenen Rauschefahrt zurück nach l’Aber Wrac’h.

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Zurück im Hafen waren wir bitter enttäuscht, aber letztendlich auch froh, dass Schiff und Crew dieses kleine Abenteuer unbeschadet überstanden hatten.

Auch wenn das Abschleppen nicht ganz preiswert war, möchten wir uns auf diesem Wege nochmal bei den Helfern, die diesen Job ehrenamtlich erldigen, ganz herzlich bedanken!!!!!

Und falls jemand wissen möchte, warum unsere Eroberung der Biskaya zu Ende war, bevor sie eigentlich losging, folgt hier demnächst die Folge „Vier Schrauben für Hallelujah“

Eintrag Nr. 19
Lézardrieux, Roscoff, l'Aber Wrac'h

Die Bretagne – ein Alptraum für Berliner Taxifahrer

Rêver. De jouer les Robinson, de vivre l’aventure. Partir. On a toujours un bateau dans le cœur, dit la chanson… (Träumen. Robinson spielen, Abenteuer erleben, aufbrechen. Wir tragen stets ein Boot im Herzen, so der Text eines Chansons aus der Bretagne.)

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So wild und zerklüftet wie die Bretagne nun mal ist, so wild und aufregend war auch unsere Überfahrt von Guernsey nach Lézardrieux in der Bretagne. Vor Guernsey ging es vorbei am ehemaligen Traumschiff „Deutschland“ und vom Nebelhorn begleitet durch dicke Nebelsuppe Richtung Bretagne. Nach einem sportlichen hoch am Wind-Kurs verwandelte sich der Golf von Saint Malo kurz vor der Einfahrt in den Aber* von Lézardrieux in einen chaotischen Whirlpool. Sehr hohe Wellen lassen die gesamte Crew etwas bange aus den Salopetten schauen, unser Schiffchen läßt sich aber nicht beeindrucken – was uns wiederum immer mehr Vertrauen in die dänische Bootsbaukunst beschert.

Unsere drei "bretonischen Etappen" ab Guernsey segelten wir parallel mit der Segeljacht "Jobber". Besonders viel Freude brachten uns die gemeinsamen Routenplanungen am Abend, bei denen das ein oder andere Bier gezischt wurde. Dank an die Jobber-Crew dafür!!!!

*Mit „Aber„ sind übrigens die Meeresarme, die sich in die bretonische Landschaft schneiden gemeint.

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Die Küste dort hat den wunderschönen Namen Cotes d’Armor. Dem Namen wird sie auch gerecht. Die letzten Seemeilen auf dem flußähnliche Gewässer waren einfach zum Verlieben, ein bisschen wie in einem Märchenpark. Überhaupt ist die gesamte Bretagne wunderschön. Die meisten Dörfer präsentieren sich unübertroffen charmant – wie aus einem französischen Spielfilm der 50er Jahre. Alles ist in ein ganz besonderes Licht getaucht und eigentlich erwartet man vor jedem Café Jean-Louis Trintignant, Jean-Paul Belmondo oder Jeanne Moreau, die Rotwein trinken und eine Zigarette paffen. Leider sind die schaukelnden 2CV-Enten und die schnittigen Peugeots komplett verschwunden. Dafür quetschen sich jetzt WoMos durch die engen Gassen von Roscoff, unserem zweiten Hafen, vor dem wir wieder von einer lustigen Truppe von Delfinen begrüßt wurden. Im Hafen wiederum begrüßen uns stets sehr nette Mitarbeiter:innen der Marinas in ihren Schlauchbooten, zeigen uns den Weg zum Liegeplatz und helfen dann wiederum ganz geduldig beim „Einparken“ der Yachten. In Sachen Freundlichkeit würde hier übrigens jeder Berliner Taxifahrer einen Kulturschock erleiden!

Überaus lustig anzuschauen ist, mit wie viel Spaß und Elan sich die französische Jugend schon im jüngsten Alter marinisiert – kein Wunder, dass Frankreich eine Weltmacht im Segelsport ist.

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Am 25.08. starteten wir ganz zuversichtlich in Richtung l’Aber wrac’h. Was uns dann auf den ersten Seemeilen erwartete, waren die übelsten Wellen der ganzen Reise. Meterhohe Kreuzseen – also Wellen aus verschiedenen Richtungen – strapazierten unsere Seefestigkeit doch sehr. Erst bekamen wir mehrere Kubikmeter Salzwasser ab und dann lagen wir gewaltig auf der Backe. Mareike schaffte es in dieser Achterbahn sogar noch das Großsegel und die Genua zu setzen während der Skipper zeitgleich versuchte, jede einzelne Welle im möglichst besten Winkel abzureiten. Unter Segel und Motor konnten wir dann nach einigen Seemeilen dem ungemütlichen Wellenchaos das schmale Heck zeigen. Die folgenden Seemeilen bis in die Bucht von l’Aber wrac’h waren dann wiederum ganz gemütlich.

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Der Hafen l’Aber wrac’h beeindruckt nicht nur mit einer gewaltigen Tide, bekannt sind auch die Austern, welche hier an den malerischen Ufern bei Ebbe „geerntet“ werden.

Von hier aus sollte es dann am 28. August über die Biskaya gehen. Warum daraus nix wurde, warum wir uns stattdessen nur im Kreis drehten und wie wir innerhalb von nur drei Stunden um 1950,– € ärmer wurden, erzählen wir euch demnächst hier live und in Farbe – stay tuned!

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Eintrag Nr. 18
Guernsey
  • Reisegeschichten

flooded pools and fish and chips

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Der Weg nach Guernsey brachte neben dem sagenumwobenen Alderny-Race gegen dessen Strom man besser nicht segeln sollte das erste Mal mit uns schwimmende Delfine!

Zwei große Tümmler tummelten sich zickzack um Hollys Bug und versetzten die Mannschft in Entzücken!

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Mareike war nun nicht nur auf Guernsey sondern auch auf Wolke 7, weil sie ja so gerne britisches Englisch hört!

Da die Briten zudem auch sehr aufgeschlossen sind, gab es vielerlei Gelegenheiten für Smaltalk und lustige Begegnungen.

Im Ranking auf Platz 3 landete ein lustiger junger Mann mit Tochter (allerdings aus Liverpool und deshalb doch nicht so ganz leicht zu verstehen), der uns in ein Gespräch verwickelte, welches von den auf der gerade stattfindenden West-Show präsentierten Kühen und Schafen der Insel, über Techno-Musik in GB und Deutschland bis hin zu - na klar - Fußball führte.

Unseren Platz 2 erhielt der bezaubernd freundliche Marine-Mitarbeiter, der uns nicht nur von seinem Schlauchboot aus willkommen hieß, die Einklarierungpapiere ins Boot warf, an den Warte-Ponton begleitete und - nachdem das Wasser hoch genug gestiegen war - in den tidenabhägigen Hafen abholte, sondern der es auch fertig brachte, unserem Schiff den bisher lustigsten Namen anzuhängen und das obwohl wir uns sicher waren, Holly Golightly auf Guernsey nicht buchstabieren zu müssen.

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Platz 1 ganz klar: Fish and chips am Hafen, ein Restaurant, wo man sich unbekannterweise natürlich nicht nur mit seinen direkten Tischnachbarn, sondern auch von Tisch zu Tisch unterhielt und - nachdem aus unserem Salzstreuer kein Salz kam - eine nette Dame vom Nachbartisch aufsprang, sich Salz aus ihrem Streuer in ihre Hand schüttete und dieses ganz freundlich auf unserem Esssen verteilen wollte ...

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Holly am Warte-Ponton und die Hafeneinfahrt bei Ebbe. Letztere beeindruckte so sehr, dass selbst Franz vor der Ausfahrt aus dem Hafen der Meinung war, wir sollten viellecht warten, bis zweieinhalb Meter erreicht wären :-)

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Hafenszenario St. Peter Port. Über die Tide hatten wir ja schon mal gesprochen ... auf Guernsey kann sie bis zu 10 m betragen.

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Zwei Nächte auf Guernsey schaffen Zeit für einen Tag rumbummeln. Unser Ziel des Tages waren vom Hafen bequem fußläufig zu erreichende Schwimmbecken, die bei Flut mit frischem Wasser gefüllt werden und bei Ebbe in sich abgeschlossen sind. Ja, und wir waren tapfer und haben uns in die wirklich, wirklich eiskalten Pool-Fluten gestürzt. Bibber!

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Eintrag Nr. 17
Cherbourg
  • Reisegeschichten

Cherbourg – nicht mehr allein aber vom Anlasser verlassen

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Von Dieppe geht es durch die vom Vollmond großzügig illuminierte Nacht nach Cherbourg. Bisher waren wir nachts meist allein „auf hoher See“. Ab und an kam uns mal eine Yacht entgegen oder segelte weit vor oder hinter uns im Dunkeln.

Dieses Mal segeln wir in Sichtweite mit einer befreundeten Crew, die mit ihrem Schiff ebenfalls gen Süden segelt. Es ist - insbesondere nachts - sehr beruhigend ein bekanntes Boot in Sichtweite oder zumindest in der Nähe zu wissen. In diesem Sinne vielen Dank an die Luvaluva samt Crew für die nächtliche Begleitung!!!

Die letzten Stunden waren wir dann sogar vier Yachten, die zusammen segelten. Auffällig war, das die großen Pötte alle einen vorbildlichen Bogen um die kleine, segelnde Flotte machten und nicht wie sonst so oft ungemütlich nahe kamen.

Im Yachthafen von Cherbourg sind schon deutlich mehr Schiffe zu entdecken, die anscheinend auf Langfahrt sind: Belgier, Schweden, Dänen oder Norweger. Meist gut zu erkennen an dem ganzen "Geraffel", was so an Deck verstaut ist: Beiboot, Solarzellen, Windgenerator, Bimini, … Einigen sieht man schon ein wenig an, dass sie bereits viele Seemeilen hinter sich haben, andere sind noch kurz hinter der Startlinie – so wie wir.

Das Schöne in Cherbourg: wir lernen drei weitere deutsche Crews kennen, sitzen drei Abende in Folge auf den verschiedenen Booten (alle größer als Holly ...) und tauschen uns über unsere Pläne aus. Nach einem Monat "on Tour" ist es klasse, mal wieder in einer Gruppe zu sein, Menschen zu treffen, die ähnliche Reiseideen haben und zu merken, dass andere auch noch an den unterschiedlichen Herausforderungen rumtüfteln, genau wie wir.

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Nachdem klar ist, dass alle in die gleiche Richtung weiter wollen, ist relativ schnell die Idee geboren, in einer Vierer-Flottille nach Guernsey zu segeln. So der Plan ...

Als das große Ablegen losgeht, blieb unser Moter leider still ... wir dann auch für einen Moment. Nach einer kurzen Inspektion der Lage (vielen Dank an die Zulu-Crew, die auch noch mitüberlegt hat!) hat Franz den Anlasser, der einfach nicht mehr anlassen will, als Saboteur identifiziert.

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Da wir in weiser Voraussicht bergeweise Ersatzteile mit an Bord getragen hatten, waren wir in der glücklichen Lage, einen Ersatz-Anlasser dabei zu haben. Wer nun glaubt, dass man für den Tausch einfach mal eben die Mortorklappe öffnet, sei mit diesem Beweisbild eines Besseren belehrt.

Um dem Saboteur auf den Leib zu rücken, muss man sich nämlich von hinten am ihn heranschleichen! Heißt: Die Bodenbretter der Heckkabine entfernen und diverse Abdeckungen abschrauben. Das wiederum bedeutet, den gesamten Inhalt der Kabine die unser Keller, Abstellraum und Gästezimmer in einem ist, umzuschichten! So wurde das eben noch für den Törn hübsch aufgeräumte Bötchen binnen Minuten auf links gedreht.

Anlasser sind in der Regel keine schweren Gegner. Man löst drei Schrauben, zieht das Ding raus und fügt ein neues Exemplar an die Stelle des müde gewordenen Vorgängers.

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ABER: Die pfiffigen Volvo-Penta Ingenieure haben es doch tatsächlich geschafft, das zwei von drei Schrauben kaum zu lösen sind. Vermutlich alles ein Kinderspiel mit dem Spezial-Volvo-Penta-Marina-Inbusschlüssel für 99 €! Aber den hat man in der Regel selten dabei. So braucht es dann fast eine Stunde, um zwei ordinäre Schrauben zu lösen! Schraube 1 ließ sich Dank geschickt angebrachter Gehäusefugen schon nach ca. 100 mal ansetzen des Inbusschlüssels 1 mm in die richtige Richtung bewegen. In Schraube 2 ließ sich der schöne V2A Inbusschlüssel erst gar nicht einstecken. Das gelang erst nach Verstümmelung desselbigen durch die kleine Bordflex (das Ding ist Gold wert!).

Dann ging aber alles ganz fix: raus mit dem Alten und rein mit dem Neuen, zwei Schrauben wieder fest, Kabel dran, Schlüssel rumgedreht und – et löft!!! :-)))))))

Somit haben wir unseren ersten größeren Defekt in den Griff bekommen. Wir waren übrigens heilfroh, dass uns der Anlasser im Hafen und nicht davor im Stich gelassen hat – das wäre vermutlich wenig lustig gewesen!

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Getreu dem Motto "Man muss die Feste feiern wie sie fallen" bin ich (Mareike) statt hübschem Flottillen-Törn in den Waschsalon der Marina Cherbourg gezogen. Dort habe ich vor der sich drehenden Wäsche über den Sinn und Unsinn von Segelreisen meditiert und bin beim Schleudern durch´s Internet gesurft.

PS: in den Waschsalons der Marinas hat man die höchste Wahrscheinlichkeit auf ein funtionierendes Hafen-WLAN zu treffen. Heute hat es aber – passend zum Tag – natürlich auch erstmal nicht funktioniert.

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Ach, was richtig toll war auf dem Weg von Dieppe nach Cherbourg : Das Wasser ist auf einmal blau-türkis! Jippieh!

Eintrag Nr. 16
Dieppe
  • Reisegeschichten

Im Surf nach Dieppe

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Der Segeltag nach Dieppe war im wahrsten Sinne des Wortes abwechslungsreich.

Zuerst konnten wir noch mit wenig raumem Wind unter Genua und Großsegel vorankommen, dann ließ der Wind aber immer mehr nach. Für solche Gelegenheiten haben wir unserer Holly einen Parasailor gegönnt. Der ist ist nicht nur hübsch grau-orange, sondern soll uns selbst bei leichtem, achterlichem Wind noch unter Segel voranbringen. Wir waren super happy, dass es uns – ehrlich gesagt zum ersten Mal – gelungen ist, dieses Segel zu setzten! Allerdings währte das Glück nicht lange, da der Wind kurze Zeit später wieder komplett einschlief und das schöne Segel wieder in unsere Vorschiffskoje geborgen werden musste.

Unter Motor ging es weiter, bis der Wind zurück war ... dazu gab es Wellen von achtern – es war ein Fest! Im Surf die Wellen runter erreichten wir 10 Knoten! Der Skipper war begeistert!

Die Crew – also Mareike – war etwas weniger glücklich darüber, dass es in diesem Surf auch genau auf die Hafeneinfahrt von Dieppe zuging ... Es gibt da so Videos auf Youtube, die gar nicht gut enden ... Franz hat uns aber souverän um die Mole bugsiert und der bezaubernde Stadthafen von Dieppe war erreicht!

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Was uns an Dieppe (neben dem bezaubernd französichen Ambiente wie aus dem Bilderbuch) richtig gut gefallen hat:

1. Wir haben die Crew der Luvaluva wieder getroffen (nach Helgoland zum zweiten Mal) und uns zum gemeinsamen Übernacht-Törn nach Cherbourg verabredet.

2. Skipper Franz konnte bei Ebbe unser Rigg von der Hafenmole aus checken, ohne in den Mast klettern zu müssen.

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Was uns in Dieppe beeindruckt hat:

1. Dass der Tidenhub bei Vollmond gewaltig ist und man sich besser genau überlegen sollte, zu welcher Tide man sein Klapprad auf die Mole schiebt (#einer von Mareikes Anfängerinnenfehlern).

2. Dass die traurigen Überreste einer tags zuvor ausgebrannten und dann gesunkenen, nagelneuen Motoryacht bei Ebbe wieder zum Vorschein kamen.

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Eintrag Nr. 15
Boulonge sur Mer
  • Reisegeschichten

Boulogne-sur-Mer - hier noch zusteigen, hier noch Fahrchips lösen ...

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Während wir uns freuen, dass es aufgrund des großen Tidenhubs für uns 7m in die Höhe geht, schreien sich die Rummelplatz-Besucher nebenan die Seele aus dem Leib, weil sie 40 Meter in die Tiefe "fallen". Die Welt ist bunt. So geht das jeden Tag von 15:00 bis 00:00 Uhr - die Geräuschkulisse ist beeindruckend.

Vor lauter "Verzweiflung" ziehen wir abends auch mal los, um live und in Farbe zu erleben, wie sich der Französische Rummel so darstellt. Von den Karussellbetreibern unablässig angefeuert drehen sich die Gäste begeistert jubelnd und mitgehend im Kreis ... oder eben deutlich auf und ab. Was für eine Party!

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Drei Tage bleiben wir in diesem Surrounding von Boulogne-sur-mer, welches zumindest im Hafen noch architektonisch an die Belgische Küste andockt.

Boulonge präsentiert sich dabei hochsommerlich warm und so pilgern wir jeden Nachmittag zum Schwimmen an den Strand. Leider war immer Ebbe, so dass sich der Fußmarsch zum Wasser auf einen gefühlten Kilometer (für Franz) verdoppelte.

Und weil es ihm an Bord auf Dauer zu langweilig ist, wagte sich auch der Dom mal in den Sand #Domopjöck

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Eintrag Nr. 14
Frankreich
  • Reisegeschichten

Frankreich, Frankreich ...

Frankreich, Frankreich
Oh, Frankreich
Oh, Frankreich

Et Paris
Et Côte d'Azur
Et Haute Couture
Vill zo düür
Oh, Tour Eiffel
Rita, schnell
Rahmkamelle
Oh, eine wunderbare Strandcafé
Oh, eine Baggersee
Ein Beaujolais
Et KVB
Au frommage
Et blammage
Wir liegen am Arsch
Oh, oui, oui

(Bläck Fööss)

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Bevor wir uns dem frankofonen Kulturraum nähern konnten, wurde es richtig eng! Die schmalste Stelle ist die Straße von Dover (engl. Strait of Dover, frz. Pas de Calais) – die Strecke von Dover nach Cap Gris-Nez misst nur 34 km. Hier galt es unbeschadet hindurch zu kommen. Ehrlich gesagt, war das nicht schwer. Einzig zwei großen Fähren galt es auszuweichen, die natürlich genau unseren Kurs kreuzten. Da es weder Wind noch Welle gab, mussten wir zwar unter Motor von Nieuwpoort nach Boulonge sur Mer in Frankreich tuckern aber das sonnige Wetter und die gute Sicht nach England waren eine kleine Entschädigung für das eigentlich wenig reizvolle Motoren. Boulogne sur Meer war dann unser erster französischer Hafen, den wir erreichten.

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Demnächst hier: Horror-Schreie, Tiedenhub XL, Anlasser die nix mehr anlassen und ein Race …!

Eintrag Nr. 13
Nieupoort
  • Reisegeschichten

Fritten, Kunst und Architektur

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Unseren Freunden ist meist bekannt, dass Hollys Skipper ein ganz besonderes Verhältnis zu dem kleinen Königreich Belgien hat. Daher mussten wir auch unbedingt einen der wenigen Häfen an der schnurgeraden, nur 60 km langen Küste anlaufen.

Nach einer anstrengenden Tag- und Nachtfahrt, vorbei an den wirklich dicht befahrenen Schiffsrouten von und nach Rotterdam, Antwerpen und Seebrügge liefen wir den Hafen von Nieupoort an, mit 2000 Liegeplätzen der größte Yachthafen Nordeuropas. Ein Teil davon ist der "alte Yachthaven" der vom KYCN (Königlicher Yachtclub Nieuwpoort) betrieben wird. Dort liegt man etwas beschaulicher und näher an der nächsten Frittenbude (Sehr empfehlenswert: Frituur Albert).

Besonders freundlich fanden wir, dass die Simple Minds am zweiten Abend auf einer großen Bühne am Hafen für uns auftraten und wir quasi einen Logenplatz gegenüber hatten. Zusammen mit leckerem Wein und bestem Wetter ergab das einen ganz besonderen Abend.

Tagsüber haben wir uns vom Reiz der belgischen Küstenarchitektur und dem Geschmack von Fritten und Eis betören lassen. Über Ersteres kann man wirklich geteilter Meinung sein – über den kulinarischen Aspekt definitiv nicht :-)

ein Bild von Holly Golightly
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Stilleben mit zwei Hunden auf Pfahl in der Hafeneinfahrt zu Nieuwpoort. Die Möwe ist echt.

Eintrag Nr. 12
Den Haag
  • Reisegeschichten

Den Haag – wenn Harald Schmidt vorbei kommt ...

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Den Haag war ein besonderes Highlight! Nicht nur, dass uns Harald Schmidt (er wars bestimmt!) auf einem schwarzen Gummiboot empfangen hat und uns sehr freundlich in unseren Liegeplatz eingewiesen hat – nein wir wurden auch von Freunden besucht, die neuerdings in Den Haag leben. So hatten wir "Locals", die uns auf ein paar schöne Ecken der Stadt hingewiesen haben, die wir ansonsten in der kurzen Zeit nicht gesehen hätten. Danke Carmen und Chris – es war schön mit euch!

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Eintrag Nr. 11
  • Reisegeschichten

Von Borkum nach Ijmuiden

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In unserem ersten "Über-Nacht-Törn" dieser Reise ging es von Borkum nach Ijmuiden. Letzteres präsentierte sich uns leider in allen verfügbaren Pantone-Graustufen. Zwischen einem vor sich hin dampfenden Kreuzfahrteschiff und Bunkermuseum kam nicht so richtig Sommerfeeling auf.

Wir lernten jedoch, dass die Wege zu den Duschen in Nordseehäfen doch deutlich länger sind als in unserer Heimat – die langen weiten Sandstrände entschädigten uns jedoch für alles!

In Ijmuiden trafen wir dann noch Ronja, die mit ihrer Moody 42 ebenfalls länger unterwegs sein will. Und wir werden sie noch öfter treffen …

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... und irgendwann ist der Himmel über Holly immer wieder blau :-)

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Eintrag Nr. 10
Norderney
  • Reisegeschichten

Riffgatt und Nordseegewöhnung

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Von Helgoland ging es mit (insbesondere für Mareike ...) hohen Wellen gen Norderney. Vor dem zu umschiffenden Verkehrstrennungsgebiet führte unser Kurs durch lauter auf Reede liegende Frachtschiffe.

Dieses Bild wird uns in den nächsten Wochen noch des öfteren begegnen.

All die dicken Pötte, die aktuell nicht am Zielort abgefertigt werden können, liegen vor Anker und dieseln vor sich hin, tagein, tagaus und wir fragen uns, wieviele dieser Güter wirklich zwingend um den Globus gekarrt werden müssen.

Unterwegs kreuzt die größte "Nordborg" aller Zeiten unseren Weg. Für unseren Geschmack war sie aber etwas untertakelt!

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Auf Norderney angekommen, vertreiben wir uns die Zeit mit Strandspaziergängen, Klapprad-Ausflügen zum Supermarkt und Basteleien am Boot.

Nachdem wir immer noch nicht unseren Heimathafen am Heck stehen haben und im Yachtzubehör-Lädchen in Kappeln das "A" ausverkauft war, schnippelt Franz kurzerhand aus Panzertape "Kappeln".

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An der Schlei würde solch eine Boots-Beschriftung sicherlich Bestürzung hervorrufen, aber im Laufe der Reise können wir erleben, dass das eine oder andere jenseits der Ostsee pragmatischer behandelt wird. Als kleines Beispiel hier z.B. das "Branding" einer Niederländischen Malö 40, gesehen in Cherbourg, mit beeindruckender Selfmade-Panzerband-Typografie. Neville Brody wäre begeistert gewesen!!!

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Die Riffgats (Dovetief und Schluchter) vor Norderney sind berühmt und berüchtigt – hier strandete im Juni 1906 schon die kaiserliche Yacht Sleipnir und seitdem unzählige Yachten und auch größere Pötte. Die Wassertiefe an sich ist nicht unbedingt das Problem. Die Strömumg und die sich verlagernden Sandbänke schon eher. Es ist schon etwas beunruhigend, wenn rechts und links von der Fahrrinne meterhohe Wellen brechen!

Während der Durchfahrt haben wir natürlich gespannt auf den Tiefenmesser geschaut, der dann auch promt auf Null sprang obwohl es eigentlich tief genug sein musste! Das wiederum liegt wohl meist an der starken Verwirblung des Sandes. Wie auch immer – so ein Riffgat ist eine wahre Springflut für den Adrenalinspiegel!!

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Eintrag Nr. 9
Helgoland
  • Reisegeschichten

Helgoland - Basstölpel, schroffer Hafen und Hochseefeeling.

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Unser erster richtiger Törn auf der Nordsee führte uns nach Helgoland. Die Deutsche Bucht war gnädig mit uns und zeigte sich sehr entspannt, was Wetter und "dicke Pötte" betraf. Je näher wir der einzigen deutschen Hochseeinsel kamen, umso wilder wurde das Wetter.

Die Insel selbst hat einen rauen Charme. Um den Hafen rum keine wirkliche Schönheit, das Oberland ganz nett und was die Natur angeht wirklich beeindruckend!!

Sehr betroffen gemacht hat uns die Beobachtung, dass die meisten Nester der Basstölpel aus Resten von Fischernetzen bestehen in denen sich die Küken regelmäßig verheddern und dann qualvoll verenden.

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Eintrag Nr. 8
Cuxhaven
  • Reisegeschichten

Cuxhaven - Ziel erreicht?

Der/die ein oder andere wusste ja von unserem Plan eine Segelreise zu unternehmen und von der Idee "den Ball flach zu halten". Somit war unser offizielles Reiseziel immer Cuxhaven ;-) Man weiß ja schließlich nie …

Cuxhaven selbst war ganz nett, aber der eigentliche Höhepunkt war der Besuch von Franz Sohn Jonas, der sich extra auf den Weg gemacht hatte uns zu besuchen! An dieser Stelle auch ein dickes Dankeschön an ihn dafür, dass er uns diesen Blog erstellt hat!!!!!

Von hier aus ging es dann weiter nach Helgoland …

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Eintrag Nr. 7
Nord-Ostsee-Kanal
  • Reisegeschichten

Keine Angst vorm NOK …

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Wie alle, die zum ersten mal den Nord-Ostsee-Kanal befahren haben, wir uns vorher schlau gemacht. Solchermaßen gut vorbereitet war es dann irgendwie nicht wirklich aufregend – wenn nicht Brunsbüttel gewesen wäre … Aber eins nach dem anderen.

Das Einschleusen in Kiel war wirklich easy. Nach ca. einer halben Stunde Wartezeit hatten wir mit anderen Sportbooten eine ganze Schleusenkammer für uns allein und alles klappte wie am Schnürchen. Das Tolle war auch, das wir unsere gute Freundin Imke mit an Bord hatten, die uns geholfen hat.

Nach der Passage der Kieler Schleuse ging es dann recht beschaulich immer geradeaus ... Die dicken Pötte störten auch nicht weiter und nach einpaar Stunden waren wir in Rendsburg. Dort musste Imke leider von Bord (Danke für deine Begleitung!) und wir tuckerten alleine weiter, um unseren Übernachtungsplatz an der Gieselau-Schleuse anzulaufen. Kurioser Weise überquerte Imke auf dem Nachhauseweg den Nordostseekanal genau in dem Moment in dem wir die Rendsburger Hochbrücke "unterquerten" und schoss aus dem Zug ein tolles Foto von uns!

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Die zwei Stege an der Schleuse zum Gieselaukanal liegen sehr idyllisch. Hinter den Bäumen grasen die Kühe und alles geht sehr beschaulich zu. Highlight des Abends war aus Hamburg angereister Verabschiedungsbesuch von Gabi und Helge!

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Die Schleuse in Brunsbüttel war - im Gegensatz zu der in Holtenau - voll, genauer gesagt sehr voll :-)

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Dafür hat uns die Elbe dann sehr freundlich empfangen und wir konnten ganz in Ruhe nach Cuxhaven tuckern. Erste aufregende Etappe geschafft, jippieh!

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Eintrag Nr. 6
Ostsee
  • Reisegeschichten

Unser erste Etappe: Kappeln – Kiel

Obwohl schon x-mal gesegelt – diesmal war es etwas anders. Wie wussten schon seit Wochen, das der Augenblick an dem wir den Leuchtturm an der Schlei-Mündung passieren würden, etwas ganz besonderes sein würde. Und so war es dann auch ... sehr bewegend! Mal schauen, wann wir uns wiedersehen, kleiner, grün-weiß gestreifter Leuchtturm :-)

In Kiel angekommen hatten wir dann Besuch von Roland, was uns sehr gefreut hat! Ist doch immer wieder schön mit Freunden abends im Cockpit zu sitzen und ein Bier zu trinken :-)

Am kommenden Morgen hat Imke unser Boot geentert und wir sind – sozusagen mit Verstärkung – Richtung Schleuse Kiel-Holtenau aufgebrochen.

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Eintrag Nr. 5
Kappeln
  • Reisegeschichten
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Jedem Anfang woht ein Zauber inne

Am 16.07.2022 haben wir endlich abgelegt! Es war wirklich bezaubernd, da wir von guten Freunden feierlich verabschiedet wurden. Wir waren so gerührt, dass wir vor Aufregung vergessen haben, Fotos zu machen. Hier noch mal unser Dank an alle, die geschrieben, gewunken, gekocht, geschenkt oder uns Glück gewünscht haben!!!! Dank euch war es ein so schöner Start ...

Eintrag Nr. 4
Kappeln
  • Seglerlatein

Holly Golightly

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Wer ist Holly Golightly? In dem berühmten Hollywoodfilm nach dem Roman von Truman Capote verkörpert Audrey Hepburn die leichtlebige, lebenshungrige und zu allem entschlossene Holly Golightly, die zielstrebig und weitab vom bürgerlichen Mainstream ihren Träumen nachjagt.

Und wer sind wir? Wir – Mareike und Franz – verunsicherten bis vor drei Jahren die Meere und die Berufsschifffahrt ebenso zielstrebig mit einer leichtfüßigen, kleinen aber ebenso eleganten „Holly Golightly“ – einer wunderschönen HD 20 von Fricke und Dannhus. Mit dieser nur 20 Fuß großen Schönheit aus Holz kreuzten wir zwischen Kroatien und den schwedischen Schären den Kurse vieler großer Yachten und sorgten für Erstaunen und manchmal auch Unverständnis.

So wie Miss. Holly Golightly frühmorgens in New York vor dem Schaufenster von Tiffany´s von Diamanten träumt, so träumten wir irgendwann von ferneren Zielen. Da uns die kleine HD 20 doch etwas zu leichtfüßig für solche Seereisen erschien, machten wir uns auf die Suche nach einer würdigen Nachfolgerin. Gefunden haben wir unsere aktuelle Holly Golightly - eine Nordborg 33 - dann vor drei Jahren bei der kleinen aber feinen Nordborg-Werft in Dänemark.

Eintrag Nr. 3
  • Über uns

Die Holly-Crew

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Mareike, Franz, ein Hoptimist und weitere tapfere Matrosen.

Als Kulturwissenschaftlerin und Designer kommen wir eher aus der kreativen Ecke (was beim Segeln aber oft hilfreich ist :-) Unsere Kompetenzen sind klar verteilt: Der Skipper kann als gebürtiger Kölner natürlich alles, überläßt vieles aber Mareike, weil sie es noch besser kann (vor allem Fremdsprachen!). Während Mareike also bestens mit den Mitmenschen kommuniziert, hält Franz Zwiegespräche mit allem was ölt, quietscht, leuchtet oder auch mal klemmt. Was uns beide beeindruckt: Hohe Wellen, zu viel Wind und große Pötte. Völlig anderer Meinung sind wir allerdings bezüglich der Wassertiefe unter dem Kiel und des Füllgrades des Dieseltanks. Mareike mag gerne üppige Reserven, während dem Skipper jeweils ein paar Zentimeter reichen – meist einigen wir uns auf viele Handbreit, was im Ernstfall bestimmt kein Nachteil ist!

Und dann wäre da noch der Rest der Crew: Der Hoptimist – auch ein Klassiker aus Dänemark – schaukelt ebenso entspannt wie Holly und läßt sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Der Dom: Wollte auch mal op Jöck! Wat soll der denn auch immer in Kölle? Er ist zuständig für den spirituellen Beistand. Die Maus: Frag die Maus, die weiß immer weiter! Der Indianer: Hat sich so reingedrängelt. Und der Kraken für den maritimen Beistand!

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Eintrag Nr. 2
Kappeln
  • Seglerlatein

Viel Gedöns!

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Seit dem Kauf vor drei Jahren, hat Holly nicht nur ein stilechtes „kleines Schwarzes“ in Form einer neuen Sprayhood bekommen, sondern noch ein paar andere (Blauwasser)-Accessoires, die dem It-Girl Holly Golightly auch gut gestanden hätten: Schöne neue (Segel)Kleider, Feuerwerk, Sonnenschutz und sogar eine eigene Insel – wenn auch zum Aufblasen (ohne Palme aber mit Dach). Und wie im Film, hat sie nun auch ihren besten Freund „Fred“ dabei – der ist allerdings deutlich kleiner geraten, kreist aber ebenso gerne um sie herum :-)

Solchermaßen „aufgebrezelt“ ist es im Sommer 2022 nun endlich losgegangen — und die Aufregung ist groß!

Im Detail:

Wie alle, die auf Langfahrt gehen, haben wir uns den Kopf zerbrochen, was wir alles an Ausrüstung benötigen. Da Holly Golightly eine kleinere Langfahrtyacht ist, haben wir uns für einige, wenige Komfort-Details entschieden:

- Ein Wassermacher und einige LiFePo4-Batterien sollen uns einen größeren Wasser- und Stromvorrat sichern.

- Ein Windgenerator (Starky 401) und Solarzellen auf unserem Bimini müssen genügend Strom liefern.

- Neue "Blauwassersegel" (besonders dicke Qualität, triradial genäht), Groß mit drei Reffreihen, zwei Genuas, eine Fock und ein Parasailor sollen das Vorankommen sichern.

- Da wir vielleicht mutig aber nicht übermütig sind, haben wir AIS, Radar, Epirb und ein IridiumGo an Bord. Dazu nagelneue Wanten, Stage und Seeventile. Die Offshore-Rettungsinsel werden wir hoffentlich nicht benutzen. Ebenso die obligatorischen Rettungswesten bester Qualität. Zwei Sicherheitsleinen an Deck in Verbindung mit Sicherungsgurten sollen den Einsatz der Rettungswesten möglichst überflüssig machen.

- Eine neue Saildrivemanchette und ein sehr guter Austausch-Saildrive unterstützen den Volvo Penta 2003 bei seinem Job. Umschaltbare Dieselfilter helfen ihm bei der Nahrungsaufnahme und ein Abgastemperatursensor hilft uns bei seiner Überwachung.

- Hollys Kumpel „Fred“ ist ein Nesting-Dinghy der Marke Chesapeake Light Craft. Es ist aus Holz, läßt sich prima verstauen, kann wie Holly segeln aber auch bestens gerudert werden und nervt in der Ankerbucht nicht mit Motorenkrach (zur Not haben wir aber auch einen kleinen Suzuki-AB dabei). Da Fred niemals als Plastikmüll endet, nicht zwingend einen AB benötigt und auch noch ganz hübsch ist, finden wir ihn äußerst charmant und nachhaltig :-)

- Energiearm auf Kurs gehalten wird unsere Nordborg von unserer Pazific-Windfahne und – unter Motor – von einer alten aber guten Autohelm 3000 Anlage.

- Für das leibliche Wohl sorgt ein Omina, ein Gasherd und zwei Kühlboxen. Für die Sicherheit ein Gasfernschalter, ein Gas- und ein CO-Warner.

- Den richtigen Kurs und die nötigen Wetterinfos zeigen uns redundante iPads, die nebenbei auch noch die Daten von allerlei Bluetooth-Geräten wiedergeben (Batterien, Radar, Victron-Lader, Victron-Gleichrichter, Ankeralarm, IridiumGo). Die unmittelbare Kursänderung im Hafen wird durch ein Bugstrahlruder ermöglicht.

- Sicheren Halt geben 50m Ankerkette in Verbindung mit einem 15kg Bügelanker + 30m Ankerleine plus Kettenvorlauf und einem 15kg Plattenanker. Auch ein See/Treibanker ist an Bord.

- Richtig gut einheizen kann uns eine generalüberholte Ardic-Dieselheizung.

- Vorm Sonnenstich bewahrt uns ein Bimini, auf dem auch unsere Solarzellen befestigt sind.

- Die Kommunikation sichern UKW-Seefunk, KW-Seefunk und das IridiumGo, das den Weg schon kennt, da es vorher mit Janna und Ilja von der SY Thula unterwegs war :-)

- Ansonsten haben wir noch das übliche Gedöns an Bord: Mehr als nur ein paar Pflaster, dazu Medikamente, Werkzeug, Ersatzteile, Ferngläser, ein Sextant, eine kleine Akku-Flex, Akku-Bohrer u. Schrauber, Taschenlampen, eine GoPro, eine schwimmfähige Drohne, Stirnlampen, Logge, Lot, Schnorchelausrüstung, zwei Klappräder, Dieselkanister, Grill, Pütt & Pann, Hängematten, Leesegel, Sonnensegel, Angel, Bücher, Strickleiter, Bootsmannsstuhl, Nebelhorn, Radarreflektor, Handfunkgerät, Rigg fürs Beiboot, Paddel, Rettungskragen, EPIRB, Wasserfilter und einige Bücher mit wertvollen Tipps und Tricks und einen Kölner Dom!

Eintrag Nr. 1
Kappeln
  • Seglerlatein

Nordborg 33

10 m lang, 3,15 breit, 1,75 Tiefgang und 5,5 Tonnen Verdrängung. Die Yacht wurde 1986 gebaut und ist die Nummer 3 von nur 10 gebauten Exemplaren. Zusammen mit den Modellen Nordborg 26 und 30 verkörpert sie meines Erachtens die „klassische Linie“ der Nordborg-Yachten. Entworfen und gebaut wurde sie von Peter Roos und Holger B. Jenssen, dem heutigen Nordborg-Chef.

Unser Exemplar verfügt praktischer Weise über eine separate Heckkabine mit zwei Fenstern, einer kleinen Sitzfläche, und praktischen Staufächern. Sie reicht über 2/3 der Bootsbreite und in ihr können sogar Riesen gut schlafen – jedoch nur gebückt stehen. Da Tolle ist, dass unsere Gäste sich in der Heckkabine auch mal „verkrümeln“ können und die Tür hinter sich zumachen können und so ungestört für sich sind. Der Kartentisch ist zu Gunsten der Heckkabine etwas kleiner als damals üblich, was aber im digitalen Zeitalter niemanden stört und im Grunde seiner Zeit voraus war.

Der Innenausbau ist extrem „hölzern“ und hochwertig. Alle Holzteile passen unglaublich genau ineinander. Plastik ist nirgends sichtbar. Das „Rundum-Holz-Ambiente“ aus Mahagoni erinnert uns ein wenig an eine Lounge der 60/70er Jahre – was uns ausgesprochen gut gefällt!

Sehr pfiffig ist die Müllentsorgung gelöst: Sie erfolgt durch eine kleine Tür in einen „externen“ Behälter in der Backskiste. Extrem praktisch und zugleich sicher ist die große Stehfläche auf halber Höhe im Niedergang auf dem Motor – keine steile und tiefe Niedergangstreppe – sondern ein geschützter Platz zum Stehen oder auch Sitzen. Außerdem kommt man so auch recht gut an den Motor und kann während der Fahrt schnell mal einen Blick auf diesen werfen.

Die Tanks könnten etwas größer sein – dank Watermaker und (hoffentlich) vielen Seemeilen unter Segeln sollten sie aber reichen: 120 l Wasser und 60 l Diesel + 60 Liter in Kanistern. Vier Gasflaschen, je 2,5 kg für Butan- und/oder Propangas.

Was die Segeleigenschaften angeht ist die NB 33 weniger ein Renner als ein Cruiser. Sie ist leicht untertakelt und für ihre Größe ist sie, mit modernen Yachten verglichen, recht schwer, was der soliden Bauweise geschuldet ist. Sie geht aber extrem sanft durch die Wellen, steckt Windböen bestens weg und hält stoisch ihren Kurs.

Das, typisch für die Boote dieser Zeit, schmal geschnittene Großsegel in Verbindung mit der Genua macht das Handling der Segel für eine kleine Crew recht einfach.

Das viele Holz muss natürlich gepflegt werden. Aber besonders der hohe hölzerne Süllrand ist eine echte Augenweide. Gut gefällt uns auch das zierliche, 7/8 getakelte Zweisaling-Rigg, dass schwarz eloxiert und durchgesteckt ist. Dazu passen die grauen Winschen der nicht mehr existenten Edelmarke „Meissner“. Praktisch ist auch die schwarz eloxierte Fußreling, an der sich alles mögliche gut befestigen läßt. Das Steuerrad empfinden wir als angenehm Kräfte sparend. Am Skeg hängt ein Ruderblatt aus Edelstahl indem sich hoffentlich kein Orca festbeißen kann! Eine solide Scheuerleiste mit einer für den Gegner gemeinen Messingschiene schütz den Rumpf zuverlässig. Alles in allem finden wir Holly Golightly sehr schiffig und trotzdem recht elegant – auch wenn sie verglichen mit den heutigen Langfahrtdampfern doch sehr zierlich ist.

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