Zypern – zurück in Europa!
Der Euro kommt – nach knapp vier Jahren auf Achse bzw. Kiel können wir wieder mit der heimischen, uns wohlbekannten Währung zahlen. Zypern macht es möglich und lässt so auch ein wenig Wehmut aufkommen – die wirklich exotischen Reiseziele liegen nun endgültig in unserem Kielwasser.
Vor unserem Bug liegt dagegen das beliebte Urlaubsparadies Mittelmeer, welches wir komplett in Richtung West durchkreuzen müssen, um unseren „Jahresendhafen“ Lagos in Portugal zu erreichen. Nun ja, es gibt Schlimmeres ;-)
In Sachen Wetter hält das sonnige Mittelmeer einiges an speziellen Zutaten bereit. Viel Westwind (für uns also Gegenwind) im östlichen Teil, Meltemi zwischen den griechischen Inseln und Mistral und Levante im westlichen Mittelmeer sorgen für reichlich Abwechslung und für mit Vorsicht zu genießenden Wettervorhersagen. Auch die ein oder andere Windhose soll hier schon gesichtet worden sein.
Wie auch immer, wir haben auf jeden Fall mächtig Respekt vor diesem Meer.
Der westliche Teil Zyperns entpuppt sich für uns als sehr angenehmes Tor nach Europa. Die unter Weltumseglern viel diskutierte Mehrwertsteuerzahlung für das eigene Boot nach mehr als vier Jahren Abwesenheit aus Europa interessiert hier im Hafen von Latchi niemanden. Auch alles andere hier wirkt sehr, sehr entspannt – nach dem recht abenteuerlichen Ägypten eine schöne Abwechslung. Der Hafen von Latchi, den Mareike ausgesucht hat, ist ebenfalls ein Hauptgewinn, weil sehr preiswert und gepflegt. Da an ein Weiterkommen aufgrund des starken Westwindes erstmal nicht zu denken ist, beschließen wir ein Auto zu mieten, um ein wenig die Highlights unserer Inselecke zu erkunden.
Das Städtchen Paphos, an der Südwestküste gelegen, das wegen seiner reichen Geschichte sogar zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, ist unser Ziel. Zunächst landen wir an der sehr touristischen Uferpromenade, die eine Art Restaurant-Meile darstellt. Von der angeblich so schönen Altstadt ist weit und breit nichts zu sehen. Wir fragen nach und erfahren, dass diese tatsächlich etwas weiter landeinwärts zu finden ist. Dort angekommen, entdecken wir tatsächlich schöne, kleine Gässchen, alte und neue Architektur, Restaurants und allerlei Kultur.
Wir schlendern gemütlich durch die malerischen Straßen der Altstadt, genießen ein Eis und später noch einen leckeren Snack. Der junge Mann, der uns freundlich bedient, trägt ein Trikot der palästinensischen Nationalelf. Als Franz seine Sympathie für das Kleidungsstück zum Ausdruck bringt, erstrahlt ein seliges Lächeln in seinem Gesicht, und er freut sich sichtlich – so einfach ist Völkerverständigung!
Auf dem Rückweg klappern wir noch ein paar baumarktähnliche Läden ab auf der Suche nach einer ca. 1,50 m Aluleiter, aus der wir eine Art Gangway basteln wollen. Im gesamten Mittelmeer legt man immer "römisch-katholisch" (mit dem Heck zum Steg) an und dann braucht’s halt eine kleine Brücke zum Steg. Doch wo wir auch schauen, Aluleitern gibt’s hier nur in XXL. Somit entscheiden wir uns für die klassische Lösung: Eine Holzplanke muss her! Diese finden wir sogar in der Nähe des Hafens. Leider auch ein bisschen zu lang, schwer und vor allem extrem schmal – aber erst mal besser als nichts!
Was wir ebenfalls noch besorgen müssen, ist ein neuer Windmesser. Der alte hat wohl irgendein Leiden und erzeugt neuerdings einen unbeschreiblichen Radau hoch oben auf der Mastspitze. Da unser Mast durchgesteckt ist, haben wir im Boot das Gefühl, einen Hochleistungsspecht an Bord zu haben. Selbst die Nachbarn haben sich schon gewundert, was Holly für seltsame Geräusche von sich gibt!
Einen nicht wirklich günstigen Ersatz finden wir im „nur“ 99 km entfernten Limassol in einem Yachtshop – vermutlich der einzige Windmesser auf der ganzen Insel.
Nach nur zwei durch Mareikes Muskelkraft gesponserten Klettertouren des Facility-Managers ins Rigg ist auch dieses Problem behoben und der hyperaktive Specht vertrieben. Nun können wir wieder zuverlässig sehen, dass wir zu viel oder zu wenig Wind haben und dass er aus der falsche Richtung kommt!
In der Nähe unseres Hafens haben wir am Wegesrand ein kleines Büdchen entdeckt, wo eine überaus nette, ältere Dame sehr leckere Snacks verkauft. Ihr Charme ist einfach umwerfend und so macht ein Päuschen dort doppelt Spaß.
Am Büdchen kommen wir mit einer deutschen Touristin ins Gespräch, die doch tatsächlich in dem Kölner Krankenhaus („Et Klösterche“) arbeitet, indem der Skipper vor langer Zeit das Licht der kölschen Welt erblickte! Damaris entpuppt sich als äußerst sympathische und lebenslustige Person mit der wir uns spontan auf einen Drink in „unserem“ Hafen verabreden.
Nach acht sehr entspannten Tagen auf Zypern weht der Wind wieder aus der richtigen Richtung und wir verabschieden uns von der Insel. Bye, bye Zypern – wie schön dich kennengelernt zu haben!
Bilder, Bilder, …