Holly Golightly

#139
Malediven

Paradies mit Macken – die Malediven

  • Reisegeschichten

Um die 1200 Inseln und Atolle, aufgereiht wie ein endloses weiß-türkises Band im Indischen Ozean, bilden die Inselgruppe der Malediven – ein auch unter Seglern extrem beliebtes Ziel – allerdings nicht grad "um die Ecke". Bis 2009 war es durch die muslimischen Regierung noch streng verboten, einzelne nicht touristische Inseln zu besuchen. Wir haben das große Glück, dass dies nun anders ist und kommen somit in den Genuss uns auszusuchen, welche der traumhaften Eilande es denn nun sein sollen. Enemene meck und du bist weg … wir entscheiden uns für die abseits des Tourismus liegende Insel Uligan im Idavandhippolhu-Atoll. Dies liegt ganz im Norden der Malediven und somit auf unserem Weg Richtung Rotes Meer. Und für uns ganz wichtig: Hier dürfen wir einklarieren, also offiziell in den paradisischen Inselstaat einreisen.

Gastland-Flagge zeigen: Mareike kann's
Holly zwischen den Atollen

Auf den Malediven benötigen wir einen Agenten, der uns hilft das bürokratische Dickicht des Landes zu durchdringen. Es ist Assad, der uns hier mit Rat und Tat zur Seite steht – zumindest anfangs. Nach unserer morgendlichen Ankunft überrascht er uns mit einem besonders coolen Willkommensgeschenk: 1,5 kg Vanilleeis!!! Mit an Bord kommen die Beamten des Zoll und der Immigration. Nachdem das Einreise-Prozedere zügig und unkompliziert abgewickelt ist, widmen wir uns der unerwarteten Erfrischung. Da unsere Gefriertruhe zufällig gerade in der Reparatur ist, müssen wir den großen Pott Eis sofort auf Ex auslöffeln – ein Mittagessen der ganz besonderen Art!

Unser erster Besuch auf der kleinen Insel gilt dem medizinischen Zentrum, da Mareike sich böse am Finger verletzt hat. Das kleine aber feine Zentrum entpuppt sich als Glücksfall. Mareikes Finger wird sorgfältig inspiziert, gesäubert und neu verbunden. Originell ist, dass das das Prozedere von allerlei Interessierten, wie unserem Agenten und dem Beamten vom Zoll begutachtet wird, die eigentlich nichts mit dem Fall tun haben. Franz erste Wundversorgung wird ebenfalls ausdrücklich gelobt (war der Zivildienst also doch nicht umsonst!). Wir sind glücklich, dass sich nichts entzündet hat und es wohl schnell wieder verheilen wird. Außerdem soll Mareike nun täglich zum Verbandswechsel vorbeischauen.

Mareike im elektrischen(!) VIP-Shuttle auf dem Weg zum medizinischen Zentrum

Schon etwas früher angekommen sind Kerstin und Jürgen mit der Lady Jane. Auf den 1200 sm von Malaysia bis hierher haben sie uns, obwohl viel größer und damit schneller, immerhin nur ca. 12 Stunden abgenommen – darauf sind wir ein bisschen stolz. Zusammen mit den Beiden erkunden wir Uligan und lassen es uns gut gehen. Schließlich muss man sich nach so einer langen Seereise auch ein wenig ausruhen.

Ortstermin in den Straßen von Uligan

Die Insel hat tatsächlich ihren ganz eigenen Charme – breite, nicht befestigte Wege sind charakteristisch für den kleinen Ort. Die Gebäude sind meist nach außen durch Mauern gegen die Außenwelt abgeschirmt, so wie es im arabischen Raum üblich ist. Auffallend ist, dass man im öffentlichen Raum wenig Frauen sieht. Restaurants oder Cafes beispielsweise sind fest in männlicher Hand – keine einige Frau ist unter den Gäszten zu finden. Laut Wikipedia spielen Frauen jedoch „eine große Rolle im öffentlichen Leben der Malediven." und „… die Hälfte der Studenten, viele Geschäftsleute, Beamte und Minister sind Frauen.“

Ob "Straße" oder …
… Strand: Der Sand macht's
Welten und Kulturen treffen entspannt aufeinander

Allen Inseln der Malediven sind mehr oder weniger große Riffe mit Korallen vorgelagert. So auch vor Uligan. Nur ein paar Meter von Holly entfernt können wir also endlich mal wieder ausgiebig schnorcheln. Erwartungsvoll stürzen wir uns ins türkise Nass und werden belohnt. Allerlei bunte, schwimmende Gesellen leisten uns Gesellschaft. Meeresschildkröten, Scalare im XXL-Format, krass große, stachelige Seesterne und sogar ein Hai beobachten interessiert wie wir, verglichen mit ihnen, recht unbeholfen unsere Bahnen ziehen.

Unter Wasser exotischer Seestern, …
… oben eine neugierige Meeresschildkröte

Ziemlich schlimm finden wir die Tatsache, dass ab und an ein mehr oder wenig großer Müllteppich an unserem Ankerplatz vorbei treibt. Franz findet, dass man das ja nicht hinnehmen muss, schnappt sich das Beiboot und sammelt rudernder Weise einen großen Teil des Mülls ein. Die anderen Skipper schauen teils interessiert und teils in eine andere Richtung – helfen will aber leider keiner. Wir geben den ganzen Müll auf der Insel ab und wollen nicht wirklich wissen, was damit geschieht. Denn eins ist leider traurige Gewissheit: Die Malediven haben ein gigantisches Müllproblem! Mehr erschütternde Fakten zu diesem traurigen Zustand findet man ohne großes Suchen leicht im WörldWeitWäb.

Müll sammeln statt trennen
Flowerpower in …
Uligan
Schuhe aus und dann mit nackten Füßen …
… shoppen im Inselladen

Nach 3 Tagen vor Uligan starten wir zusammen mit Lady Jane zum Inselhopping. Die erste der drei Inseln, die auf unserem Programm stehen, ist Filladhoo, ein Atoll ca. 20 sm südlich gelegen. Die Anfahrt gestaltet sich gegen Wind und Welle recht ruppig, die Einfahrt ins Atoll recht verwirrend. Unsere elektronische Seekarte zeigt hier mal wieder viel Kreativität, was bei Franz Stress verursacht. Einen U-Turn und mehrere Adrenalienschübe später sind wir aber auf dem richtigen Kurs und finden einen tollen Ankerplatz in der großen und fast völlig leeren Lagune. Filladhoo ist eine der Inseln, die nur von Einheimischen bewohnt wird und netterweise völlig frei von Tourismus ist – bzw. war, denn nun sind wir ja hier! Dementsprechend groß ist die Aufmerksamkeit, die uns zu Teil wird. Es ist aber eine recht angenehme Anteilnahme an unserem Schicksal – alle sind sehr freundlich und wir fühlen uns mal wieder sehr willkommen in einer doch so anderen Welt.

In Filladhoo hat …
… die Natur eindeutig Vorfahrt
Auch die älter Generation: Immer online
Familienausflug

Und auch hier wollen wir mal schauen, was unter Wasser so ab geht. Es hatte sich vor Uligan schon angedeutet, wird jetzt aber leider zur Gewissheit: Unser kleiner Außenborder bekommt zusehends Hitzewallungen. Anstatt pipiwarm ist das Kühlwasser nun kochend heiß. Wir tuckern also im Schneckentempo durch die Bucht, schnorcheln ein wenig an der Riffkante und schleichen dann wieder zurück – immer in der Angst, dass unser Flautenschieber endgültig den Löffel abgibt.

Ein eleganter Schwarzspitzen-Riffhai kreuzt vor Filladhoo unseren Schnorchelkurs
Ein Fall für Motor-Schmitt – stets zu Diensten

Etappenziel drei, Das Kelaa-Atoll ist quasi direkt um die Ecke. Dort angekommen zerlegt Franz erstmal den Hilfsmotor mit Wechseljahrsbeschwerden und wird fündig. In einem der zierlichen Kanäle für das Kühlwasser findet er seltsame kleine Plastikteile, die definitiv diese wichtige Lebensader verstopfen! Man kann sie sogar zu etwas zusammenfügen, was ein kleines rätselhaftes Plastikteil ergibt. Die Herkunft bleibt jedoch für immer ungeklärt – wie auch immer: Nach Entnahme dieser bösartigen Bröckchen, läufts wieder rund in unserem Zweitakter und sein Temperaturhaushalt ist und bleibt wieder auf einem coolen Level. Auch vor Kelaa werfen wir einen Blick auf die Welt unter Wasser. Die zahlreichen „Bommis“ (Korallenköpfe) sind auch hier voller buntem Leben. Jeder Bommi eine spannende Unterwasserwelt für sich. Ob die Bewohner auch mal umziehen – so von Bommi-Veedel zu Bommi-Veedel?

Bootsbaukunst am Beach
Kelaa verleiht Flügel

Am Ende unserer Island-Bucket-List findet sich Vangaaru, eine kleine Insel ausnahmsweise ohne Atoll – und auch völlig ohne humanoide Bewohner. Diese einsame Insel hat einen wunderschönen Strand und – man ahnt es schon: Korallenriffe davor! Was uns hier allerdings an Fischreichtum erwartet schlägt dem Schnorchelfass* den Boden aus. (Oder: toppt seit Fiji alles!)

Vangaaru nur für uns

Um Holly Golightly färbt sich das klare Wasser schon kurz nach dem Ankermanöver seltsam blau. Es ist aber nicht das Pantone-Tiefblau, dass wir kennen, sondern ein ganz neues, lebendiges Blau. Der erste Schnorchelgang bringt Klarheit ins unbekannte Blau: Ein riesiger Fisch-Schwarm in der erwähnten Farbe befindet sich neben, unter und hinter unserem Boot. Es ist einfach beeindruckend anzuschauen wie er einem geheimen Rhythmus folgend durchs Wasser schwebt. Alle paar Minuten gibt’s einen Paukenschlag und die riesige Fischversammlung macht synchron einen blitzartigen Satz durchs warme Nass. Die Korallenblöcke in Strandnähe werden ebenfalls gut angenommen vom tropischen Fischvolk. Unglaublich viele verschiedene Arten tummeln sich um die hier sogar noch lebendigen Korallen. Den ein oder anderen wunderschönen Fisch sehen wir hier tatsächlich zum ersten Mal.

Blaue Stunde um Holly Golightly
Auch am nahen Riff ist ordentlich was los

Nachdem wir die Unterwasserwelt für hervorragend befunden haben, muss sich die einsame Insel unserer kritischen Prüfung stellen. Die Testkriterien sind: Mit dem Dingi anlanden, Strand, Lagerfeuer, und Natur.

- Punkt eins ist Dank einer schön anzuschauenden aber teils kräftigen Brandung eine echte Herausforderung: Stimmen Winkel, Geschwindigkeit und Timing, kommt man halbwegs elegant auf den Strand – stimmt einer der Parameter nicht, dann ist die Anlandung eher nass und peinlich.

- Punkt zwei, der Strand, erfüllt alle Erwartungen: Schöner weißer Sand, tolle Wellen, schöne Muscheln, Platz ohne Ende, Palmen in Massen – typisch Malediven eben!

- Punkt drei: Lagerfeuer. Um das zu entzünden, ist eine gewisse Vorarbeit von Nöten. Es wird also das Holz-Sammel-StartUp Jürgen & Franz gegründet und über das Eiland geschickt. Was das hoch motivierte StartUp zutage fördert, ist allerdings erschütternd: Es gibt tatsächlich viel Holz zum Feuermachen (Treibholz und Totholz) – aber leider noch viel, viel mehr MÜLL! Nicht nur am Strand sondern auch im Inselinneren finden sich unglaubliche viel Plastikflaschen, Folien, Verpackungen, Styroporteile, Getränke- und Konservendosen und anderes trauriges mehr. Das Feuer als solches wird ein voller Erfolg – auch weil Jürgen in der Beziehung ein echter Profi ist! Ergänzt durch Boombox und viele flüssige und feste Leckereien wird der Abend zu einem Event, dass auf der inneren Festplatte aller Beteiligten einen ewigen Speicherplatz belegen wird.

Feuerprobe bestanden

- Punkt vier: Dem Testkriterium NATUR versetzt das Müllproblem natürlich einen empfindlichen Dämpfer. Arten- und Pflanzenreichtum können wir zudem nicht wirklich beurteilen – gefühlt gibt’s recht wenig Vögel hier – dafür ein wirklich großes Krabbeln am Strand! Unser abendliches Strandmeeting bekommt zudem unerwarteten Besuch. Etwas kleines, vierbeiniges, haariges mit langem Schwanz huscht aufgeregt über den Strand. Der weibliche Teil des Events tippt nach einer tausendstel Sekunde auf Ratte! Jürgen enthält sich und Franz findet das Vieh irgendwie putzig. Tags darauf gelingt Franz ein Video von dem kleinen Fellträger und fühle sich bestätigt – es ist eindeutig putzig!! Der Rest der Welt, einschließlich KI nennt es trotzdem Ratte (Rattus exulan = Pazifikratte). Vielleicht ist diese putzige Lebensform auch der Grund für die wirklich wenigen Vögel auf den Inseln!?

Ein Traum!
Feuermacher auf Augenhöhe :-)
Ist sie nicht süß, die Kleine: Rattus exulans, auch als Pazifikratte bekannt. Sie ist besonders geschickt wenn es um das Erklettern von Bäumen geht.
Das große Krabbeln

Nachdem unsere einsame Insel also bis auf das ernüchternde Müllproblem, das wir ja auch schon auf Uligan bemerkt hatten, ganz gut abgeschnitten hat, bleiben wir noch einen weitern Tag hier und genießen Land ohne Leute. Zurück nach Uligan gehts dann auch aufgrund des drehenden Windes, der das Ankern vor der kleinen Insel doch recht ungemütlich werden lässt. Vor Uligan ankern wir dann ganz in der Nähe der deutschen Yacht Pepper, die wir schon auf Tonga getroffen hatten. In der Nähe der Pepper entdeckt Mareike besonders am frühen Morgen immer wieder kleine spitze Flossen, die aus dem Wasser schauen. Ihr geübter Blick tippt auf Mantas! Um das zu checken springen wir schon um acht gemeinsam ins Wasser und schnorcheln in Richtung Heck der Pepper. Und siehe da: Zwei wunderschöne Mantas tauchen auf und drehen ihre Kreise um uns herum. Wie schon im Pazifik kommen sie neugierig auf uns zu und „fliegen“ dann tolle Manöver in unserer Nähe. Was für ein Erlebnis!! Bestimmt eine halbe Stunde verbringen wir zusammen mit diesen unglaublich ästhetischen Flugkünstlern im Wasser, bevor wir überglücklich wieder zu Holly zurück schwimmen. Kann ein Tag besser beginnen – oder kann ein Besuch auf den Malediven besser zu Ende gehen?

Unser Morgen-Manta

Was uns auf Uligan besonders gefällt sind zwei kleine Restaurants. Diese überzeugen durch leckeres Essen, nette Menschen und tolle Aussicht. Als Abschluss unserer Reise gönnen wir uns noch einen tollen Abend mit Kerstin und Jürgen in einer dieser netten Locations.

Restaurant mit besten Ausichten …
… und schönem Interieur mit Sandboden!

Am 17. Februar 2026, um genau 13:26 heißt es dann mal wieder: Volvo an, Anker raus aus dem Sand, Segel hoch und auf zu neuen Ufern!

Zusammen mit drei anderen Yachten machen wir uns auf den Weg zu unserem nächsten Ziel, der einzigartigen Insel Sokotra, die vor der Küste Somalias liegt und zum Yemen gehört.

Byte, bye Malediven, wir setzen Kurs Sokotra/Jemen

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