Holly Golightly

#55
Grenada

Kick-ém-Jenny & St. Georges

  • Reisegeschichten

Schon mal über einen Vulkan gesegelt? Von Carriacou kommend, hat man die einzigartige Gelegenheit dazu! Ca. 4 sm vor der Küste von Grenada  treibt „Kick-’em-Jenny“ ab und an sein eruptives Unwesen. 180 m unter dem Meeresspiegel liegt die Spitze das 2015 zum letzten mal ausgebrochenen aktiven Vulkans. Hat man Pech, kommt´s heiß und schwefelig von unten, was vermutlich das unmittelbare Ende jedes Segeltörns bedeuten würde! Da uns der Ritt auf dem Vulkan wenig verlockend vorkommt, machen wir einen Bogen um „Kick-’em-Jenny“ und laufen erst mal die Nordspitze Grenadas an.

Der winzige Hafen von Sauteurs scheint uns einen Versuch wert. Dort angekommen erwartet uns ein noch winzigerer Hafen als gedacht. Der einzig gute Ankerplatz wird von einer verlassenen Ketch blockiert. Trotzdem starten wir mehrere Anläufe um irgendwo in der Bucht zwischen den Fischerbooten einen Ankerplatz zu finden. Doch wo wir es auch versuchen, der Anker will nicht halten!!

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Grenadas wunderschöne Küste ist ...
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... auch im Detail wirklich überzeugend!

Zwei, drei Ankerpläze entlang der Küste haben wir im Visier. Einer nach dem anderen erweist sich als nicht passend. Es ist ein wenig so wie mit drei Teilen in der Umkleide. Eins zu eng, eins zu offen, eins zu kurz – schließlich greifen wir zum weißen T-Shirt in M: da kann man nix falsch machen! Das weiße T-Shirt ist die Ankerbucht von Grand Mal, wenig charmant und kurz vor der Hauptstadt und dem Haupthafen von St. Georges gelegen – hätte man sich eigentlich sparen können. Am kommenden Tag entdecken wir direkt südlich der Hafeneinfahrt in der Martin’s Bay den passenden Platz. Von hier aus können wir mit "Fred" direkt in den Hafen oder auch an den schönsten Strand von Grenada, den Grand Anse Beach, der gleich im Süden liegt aber leider von (zu) vielen Hotels belagert wird.

Nun gilt es, die die Hauptinsel des Staates Grenada zu entdecken. Zuerst beglücken wir St. George's mit unserer Anwesenheit. Die Hafen- und Inselhauptstadt ist überaus bunt, laut und lebendig. Ca. 30T Menschen leben hier und es gibt einiges zu entdecken. 2004 wurden leider 95% der Häuser durch den Hurrican "Ivan" zerstört oder schwer beschädigt. Kurz darauf wurde ein großes Kreuzfahrtterminal gebaut, was ähnlich furchtbar ist. An schlimmen Tagen sollen hier vier dieser weißen Ungetüme gleichzeitig anlegen. Wir haben das Glück ein Kreuzfahrtschiff-freies St. George‘s zu erleben.

Das Schokoladenmuseum ist ein echtes Highlight und für uns Schokobrunnen-Betreiber:innen natürlich doppelt interessant. Die heimische Schokolade gibt es in vielerlei Variationen. Und natürlich schreckt auch Grenadas „Wappenfrucht“, die Muskatnuss nicht vor der Einmischung in schokolatäre Angelegenheiten zurück. Und siehe da, das Ergebnis kann geschmacklich wirklich überzeugen!!

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Das Schokomuseum — klein aber fein
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Spuren von Karneval!
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Markt
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Frischers Fritze fischte frische Fische

St. George‘s als solches, erinnert sehr an eine Stadt, die man auf einer Modelleisenbahn finden könnte. Auf einer sehr kompakten Fläche findet sich all das, was das Herz des kleinen Städtebauers höher schlagen lässt: Ein Hafen der aus Yacht-, Container- und Fischereihafen besteht. Als Zugabe gibt‘s sogar ein Terminal für ganz große Kreuzfahrtschiffe. Im urbanen Zentrum befindet sich ein kleiner Berg, der den Hafenbereich vom eigentlichen Stadtzentrum trennt. Jenseits dieser dicht bebauten Anhöhe befindet sich der Marktplatz und die Markthalle, die von zahlreichen kleinen Gassen umgeben sind. In unmittelbarer Nähe findet man den Busbahnhof, der für sich ein spannendes Universum bildet. Direkt daneben gibts wiederum ein beeindruckend großes Footballstadium.

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Tunnelblick
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Einer für alle

Nord- und Südteil der Stadt werden durch einen einzigartigen engen, einspurigen Tunnel verbunden: eine Einbahnstraße, die sowohl von Autos als auch von Fußgängern genutzt wird – und zwar gemeinsam auf einer Fahrbahn vom Stadtzentrum in Richtung Hafen. Will man in die entgegengesetzte Richtung, muss man über den kleinen Berg. Auf dessen „Gipfel“ findet man tatsächlich eine Verkehrskreuzung, die so eng und unübersichtlich ist, dass permanent ein Verkehrspolizist versucht das drohende Chaos zu verhindern.

Auf der Rückseite des Containerhafens entdecken wir Streetfood vom Feinsten und probieren unseren ersten „Roti“. Eine Teigtasche, reich gefüllt mit Kartoffeln, Gemüse und Hühnchenfleisch, dazu sehr lecker und unschlagbar günstig.

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Morbider Charme der Karibik
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Roti vom Büdchen — Streetfood vom Feinsten
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Die große Kunst des Festmachens
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Der Glanz vergangener Zeiten

St. George‘s ist tatsächlich unvorstellbar lebendig und gleichzeitig an Lässigkeit nicht zu übertreffen. Folgendes Beispiel aus der harten karibischen Realität belegt diese Behauptung: Vor dem Supermarkt stehend werden wir informiert, dass es momentan (mal wieder) ein Softwareproblem gibt und als Folge dessen, die Artikel-Scanner an den Kassen den Dienst quittiert haben. Die Folge: Die komplette 13-stellige EAN-Nummer unter dem Barcode muss von der Kassiererin für jeden Artikel einzeln in die Kasse getippt werden – daraufhin erschein eine Liste auf dem Monitor aus der dann der exakt passende Artikel ausgewählt werden muss – und das dauert!!!! Gott sei Dank kommt aber der Strom wieder und es geht alles den gewohnten Gang … somit füllen wir unser Einkaufswägelchen bis oben hin!! Als wir uns der Kasse bis auf wenige Zentimeter genähert haben, passierte es wieder: Scanner off! Das mühselige  Suchen und Eintippen der Artikelnummern beginnt von vorne. Als Folge diese erzwungenen Entschleunigung verbringen wir gut eineinhalb Stunden an der Kasse. Als wir den Markt schließlich verlassen, hätte er eigentlich schon über eine Stunde geschlossen sein sollen.

Das Bemerkenswerte an diesem Erlebnis: Niemand, wirklich kein einziger der Kunden und Kundinnen oder der Frauen hinter der Kasse war genervt, gestresst oder unfreundlich. Alle hatten die Ruhe weg und warteten geduldig und verständnisvoll darauf, dass sie wieder in die Freiheit entlassen werden – in Deutschland undenkbar!

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Tiefenentspannte Kassiererin trotz Softwaredesaster
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Tiefenentspannter Skipper ohne Desaster
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