Holly Golightly

#62
Cartagena / Kolumbien

Man mag Musik nur wenn sie laut ist!

  • Reisegeschichten

Die erste Stadt, die wir in Kolumbien besuchen ist Cartagena. Fragt man in Deutschland jemanden nach Cartagena wird man ebenso fragend angeschaut, als ob man einem Kolumbianer von Braunschweig oder Köln berichtet. Dabei ist Cartagena exakt so groß wie die Stadt am Rhein – knapp über eine Millionen Einwohner. Die Skyline läßt allerdings eher auf eine viel größere Metropole schließen. Die dem Meer zugewandte Halbinsel „Boca Grande“ ist komplett mit Hochhäusern bebaut und erinnert optisch sehr an Manhattan. Hier wohnen die Schönen und Reichen, die es zu etwas gebracht haben. Der bei weitem attraktivere Teil von Cartagena ist aber die Altstadt. Sie ist wahrlich atemberaubend und erinnert an eine Zeit als diese Metropole sehr reich und mächtig war. Große, herrschaftliche Gebäude dominieren die Straßen. Oft geben reich verzierte Portale den Blick frei auf großartige Innenhöfe, die als Restaurant, Hotel oder immer noch als Wohnsitz genutzt werden. Wir sind sehr überrascht über diese Pracht und kommen aus dem Staunen nicht heraus. Auch die Art und Weise, wie die alten Gemäuer genutzt werden, überzeugt ganz und gar. Die Synthese aus moderner Nutzung und altem, morbidem Charme ist bemerkenswert. Nichts wurde totsaniert oder so verbaut, dass der ursprüngliche Charakter verloren ging.

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Cartagenas Altstadt: Wunderschöne Architektur und …
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… bezaubernde Innenhöfe.
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Speisen und Leben …
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… in feinstem Ambiente.

Geht man durch die alten Gassen, wird man permanent angesprochen und bekommt eine Speisekarte präsentiert. Auch anderes ist im Angebot – die fliegenden Händler verkaufen Schmuck, Limonade aus frischen Limonen (köstlich!), Strohhüte, Süßigkeiten, Eis, Obst das man nicht kennt (auch köstlich!) und auch einiges, was die Stimmung drastisch verbessert. Unter der Hand gibt es hier ein reichhaltiges Angebot an Drogen – quasi aus lokaler Produktion! Ansonsten bietet Cartagena Shoppingmöglichkeiten auf Weltniveau!

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Köstliche Limetten-Limonade oder …
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… ein Panama-Hut - gibt’s alles am Wegesrand.
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German fashion!
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Für einen bunten Abend

Denkt man an Kolumbien, kommen einem natürlich die Drogenkartelle, die jahrzehntelange Gewalt und die unzähligen Toten in den Sinn, die lange Zeit den Alltag der Kolumbianer bestimmt haben. Von all dem ist hier für uns wenig bis nichts zu spüren. 2016 unterzeichneten die kolumbianische Regierung und die damalige FARC-Guerilla einen Friedensvertrag, um ihren jahrzehntealten bewaffneten Konflikt zu beenden. Der ausgehandelte und mit dem Friedensnobelpreis gekrönte Waffenstillstand scheint zu halten. Die Kolumbianer, von dieser Last befreit, feiern was das Zeug hält – zumindest in Cartagena hat man das Gefühl, das jeder und jede, die es sich leisten können gerne die kolumbianische Sau raus lassen!  Bemerkenswert ist auch die Gelassenheit und ausgesprochene Freundlichkeit der Menschen. Man hat eigentlich nie den Eindruck, dass jemand gestresst oder in Hektik ist. Man fühlt sich auch immer sicher – selbst in der Altstadt bei Nacht kommt nie das Gefühl auf, in Gefahr zu sein.

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Nightlife
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Cocktails am Kirchenportal!
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Blaue Stunde

Die großzügige Bucht vor der Altstadt – früher gerne mal von Sir Francis Drake erobert, gehört heute hochmotorisierten Partybooten. Diese werden zwei mal am Tag mit feierlustigem Volk beladen und cruisen dann mit ohrenbetäubend lauter Musik durch die Bucht. In der Regel beginnt die Tour mit ausgiebigem, gegenseitigem einölen, danach heißt es wie in dem Song von Seeed: „Schüttel deinen Speck“, was oft an Szenen aus Filmen erinnert, die erst ab 18 freigegeben sind. Dazu wummern die Beats und eine schrille Discobeleuchtung illuminiert das Geschehen. Ein Boot dieser Spezies (bis 1000 PS und 1000 Watt) würde auf den meisten deutschen Gewässern sofort diverse Bürgerinitiativen auf den Plan rufen. Hier cruisen jedoch um die hundert Boote in allen Größen und Ausführungen den ganzen Tag lang durch die Bucht. Besonders wenn man als Ankerlieger in den Genuss kommt, von zwei oder drei Partybooten gleichzeitig beschallt zu werden ist der Spaß grenzenlos. Die Abwesenheit von Distanz ist ebenso bemerkenswert. Die Powerboote fahren meist so nah an uns vorbei, dass wir hautnahe Einblicke in die hiesige Feierkultur genießen können, die wie beschreiben, hübsch anzusehen und nicht immer ganz jugendfrei ist – zumindest aus germanischer Sicht. Dazu kommt, dass die oft recht schnellen Motorboote die komplette Bucht in eine Whirlpool verwandeln, was uns täglich für ein bis zwei Stunden ordentlich durchschaukelt und es uns auch leider unmöglich macht, mit dem Beiboot an Land zu fahren. Auf den Straßen von Cartagena gibt es die Partyboote übrigens in Form von Partybussen. Diese alten, schrillen und offenen Busse haben die gleiche Ausstattung wie die Boote und fahren die ganze Nacht, dauerhupend um die Altstadt. Das Ganze erinnert an den Kölner Karneval, nur dass hier der Zoch in kleinen Teilen das ganze Jahr über unterwegs ist!

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Eindeutige Posen, …
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… dicke Motoren und hübsche Girlies — Miami Vice-Feeling live
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Für Landratten …
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… gibt‘s den Partybus!

Es gibt tatsächlich Momente – so nach ca. zwei Wochen, wo uns der Trubel zu viel wird. Also überschlagen wir die Möglichkeiten und kommen zu dem Schluss, dass die Zeit reif für einen Ausflug ist.

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