Holly Golightly

#61
Cartagena, Kolumbien

1, 2 oder 3 - du musst dich entscheiden, 3 Felder sind frei

  • Reisegeschichten

Nach der letzten etwas aufregenden Nacht taucht in der aufgehenden Sonne die beeindruckende Skyline von Cartagena vor uns auf und wir sind alle vier gerührt, beglückt und stolz, den Südamerikanischen Kontinent per Segelboot erreicht zu haben.

Cartagena ist eine Großstadt mit etwas mehr als einer Millionen Einwohnernen und wie das wohl fast überall auf der Welt so ist, lädt das Wasser vor einer Metropole nicht gerade zum Schwimmen ein. Doppelt schade, weil es so heiß ist , wie noch nie zuvor auf unserer Reise.

ein Bild von Holly Golightly
Für den kleinen Überblick

Als erstes müssen wir aus den drei ausgewiesenen Ankerfeldern eines für Holly wählen und entscheiden uns für Feld 2. Dieses besticht durch nächste Nähe zum Club Nautico. Dort kann man gegen eine Gebühr von 25 US-Dollar die Woche das Dinghy am bewachten Steg festmachen, Wifi nutzen und sogar duschen. Wenn wir vier an Land wollen, muss Fred zweimal hin und her, von daher freuen wir uns auch über kurze Wege. Nach vier Tagen und Nächten streikt unser Freund der Suzuki mal wieder und so ist rudern angesagt, ein weiterer Punkt für Feld 2.

ein Bild von Holly Golightly
Fred mit Franz (und wieder laufendem Suzuki!)
ein Bild von Holly Golightly
Fred mit Kumpels

An Tag 2 kippt die Stimmung zu diesem Spot aber leider schon. Ankerfeld 2 zeichnet sich nämlich nicht nur durch Nähe zum Dinghy-Steg sondern auch durch etwas zu kuschlige Nähe zu den Nachbarn aus. Im Laufe der Zeit haben wir gelernt, mit sehr engen Ankersituationen umzugehen und waren bislang auch immer erfolgreich. Als hier jedoch in absoluter Flaute alle Boote in unterschiedliche Richtungen dümpeln, verwandeln zahlreiche zickzack fahrende Motorboote* das Wasser in einen riesigen Whirlpool, so dass sich eine verlassene Yacht in den Nahkampf mit Holly begibt. So jonglieren wir mit Fendern und Bootshaken, starten den Motor und und holen gleichzeitig den  Anker  hoch.

ein Bild von Holly Golightly
Fleißige Leesegel-Reparateure + im Hintergrund die gegnerische Yacht

Auf zu Ankerfeld 1! Hier gibt es viel Platz, was insbesondere Mareike begeistert. Kleiner aber feiner Haken: wir liegen nun direkt neben dem Container-Hafen. Franz beginnt den Kranführern Noten zu geben, je nachdem wie sanft und leise die Container umgeladen werden. Dass hier noch mehr Motorboote queren , um in den Club Nautico zu kommen, macht uns nicht so wirklich glücklich, erscheint uns aber anfänglich noch erträglich. Morgens erleben wir dann passend zum Frühstück, wie die Wasserschutz-Polizei zu einem etwa 100 Meter neben uns liegenden Schlepper rast. Nach wilden Androhungen durch‘s Megafon, erscheint auf dem Schlepper ein Vermummter, der einem Besatzungsmitglied eine Pistole an den Kopf hält. Wir verschieben daraufhin unser gemütliches Frühstück im Cockpit und verkriechen uns lieber in Hollys Bauch, bis der Übeltäter überwältigt ist.

ein Bild von Holly Golightly

Im Nachhinein sind wir nicht ganz sicher, ob alle Beteiligten danach so entspannt waren, weil die Kolumbianer derart souverän mit bewaffneten Überfällen sind oder ob es nicht doch etwa eine Übung war … wir waren trotzdem ein wenig beeindruckt.

Nachdem in der nächsten Nacht die gefühlte C-Besetzung der Kranführer Dienst hat und anscheinend neue Abwurf-Techniken von Containern aus hoher Höhe trainiert, was wiederum zu einer leicht erhöhten Geräuschkulisse führt, entscheiden wir uns, Ankerfeld 3 auszuprobieren.

ein Bild von Holly Golightly

Vorher müssen wir uns aber leider noch von Sofia und Carl verabschieden. Die beiden wollen nun per Anhalter nach Medellin ziehen und weiter nach Ecuador und Peru. Wir haben uns riesig gefreut, die Zwei an Bord zu haben! Vielen Dank für gute Stimmung zu jeder Tages- und Nachtzeit, Rumpf schrubben (!!!), tolle Musik, geduldigstes Nähen, lecker Kochen und viele nette und gute Gespräche! Es war sooo schön mit Euch und wer weiß, vielleicht sehen wir uns ja nächstes Jahr in Panama wieder!

ein Bild von Holly Golightly

Nachdem unser Fred Sofia und Karl samt ihrer gigantischen Rucksäcke an Land bugsiert hat, versuchen wir uns also mit Ankerfeld 3.

Hier gibt es ausreichend Platz und einen schönen Blick - nicht nur auf die Hochhäuser, sondern auch auf etwas Altstadt. Dass der Weg zum Steg nun deutlich länger ist, stört uns jetzt, da wir nur noch zu zweit sind, nicht wirklich.

*was sich rund um die Motorboote vor Cartagena abspielt ist derart verrückt und übertrifft alles, was das Ostsee-Segel-Team von Holly bisher erlebt hat, dass wir über dieses Spektakel noch gesondert berichten werden :-)

ein Bild von Holly Golightly

... ach ja: Ganz nebenbei haben wir in Kolumbien natürlich auch einklariert. Dafür braucht man hier eine Agentin und man darf sich dabei frei nach dem #wartenaufgodot in Geduuuuld üben - dafür braucht man sich allerdings auch nicht viel bewegen. In unserem Falle war der Vorgang noch nicht wirklich abgeschlossen, als wir nach vier Wochen wieder ausklariert haben … aber man will ja auch nicht blöde deutsch rumdrängeln.

Alle Einträge →